Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

Weiske: Der Sachsenspiegel und das Bergregal. 271
vatr. §. 44. Note 8), also die Stelle, die von den grauen Mön-
chen handelt, und aus der Sachße namentlich folgert, daß der
Sachsenspiegel nicht vor 1226 geschrieben sein könne.
Der Sachsenspiegel, wie er uns jetzt vorliegt, gehört dieser
Gestalt nach gewiß in das I3te Jahrhundert; dieß haben wir auch
nie bezweifelt oder bestritten. Nur um die Zeit seiner ursprüng-
lichen Abfassung handelt es sich. Wenn wir die hier nicht weiter
zu begründende Ueberzeugung aussprechen, daß unser Rechtsbuch sei-
ner ersten Anlage und Abfassung nach schon mit der Mitte des zwei-
ten Buches im wesentlichen geendet haben möge, so führen wir da-
für nur noch an, daß sich von da ab häufig Wiederholungen des
schon Gesagten oder Nachträge zu demselben vorfinden; auch ist eS
ja bekannt, daß sehr häufig die deutschen Rechtsquellen in dieser Weise
vervollständigt wurden. Wir erinnern nur noch, — was zugleich
zur Unterstützung des oben Vorgebrachten sowohl, als auch bei Er-
mittelung des Alters des Rechtsbuches nicht außer Acht zu lassen ist,
— daß sich Sachsenspiegel II. 39. §. 2. folgendes findet: Swilch
wegvertig man körn uf deme velde vreczet und ez nirgen en vu-
ret, der gelde den schaden nah sime werde. II. 68. heißt es aber:
Erligt deme wekvertigen manne sin phert, her muz wol körn
sniten und ime geben, also verne als erz gereichen mag stende
in me wege mit eime vuze; her en sal ez aber nicht dannen vu-
ren. Vgl. den Landfrieden Friedrich's I. §. 23. und II. F. 27.
§. 20.
Da endlich der Sachsenspiegel den Zehnten unbedenklich als
in den Händen der Laien befindlich ansieht, so läßt sich kaum anneh-
men, daß er während des bekannten Zehntstreites abgefaßt sein
kann. Wir meinen daher, daß seine erste Entstehung vor das Jahr
1179 zu setzen ist, und glauben, daß die späteren Zusätze in dieser
Lehre aus einer Zeit stammen, etwa um 1220, in der die Erinne-
rung an jenen Streit schon wieder verwischt war. — Auch die Be-
stimmungen über das Münz wesen können noch zu einem Anhalt-
punkte benutzt werden.
Bei dieser Gelegenheit verabsäumen wir nicht auf die Abhand-
lung von Kl öden „über die Zeit der Abfassung des Sachsenspiegels
und seinen Verfasser," in dessen „diplomatischer Geschichte des Mark-
grafen Woldemar in Brandenburg" 1844 Thl. I. S. 383—394 auf-
merksam zu machen, zumal da wir sie noch von keinem Germanisten

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