Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

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Das Pfändungsrecht.
nicht fehlgreifen, wenn man annimmt, daß jenes Vereignen und der Pri-
vatverkauf nur bei Pfändern geringeren Werthes stattfanden, denn
jene Pfänder besonderer Gerechtigkeit (kirchliche und öffentliche Ab-
gaben und Lasten) werden meistentheils auch nur kleinere Forderun-
gen zu decken gehabt haben. Ohnehin wird bei größeren Beträgen
das beiderseitige Interesse auf den öffentlichen Verkauf Hingetrieben
haben.
Für den Verkauf gepfändeter Grundstücke wird ausdrücklich her-
vorgehoben, daß das über die Schuld herauskommende Geld dem
Schuldner gehöre, der Pfänder aber, falls er nicht zukomme mit dem
Pfände, nach zuvor erbetener richterlicher Erlaubniß mehr pfänden
dürfe und alsdann der Wiederkaus wegfalle. Tit. 191. H. 12.
Unbedenklich dürfen wir diesen Vorschriften eine allgemeine Be-
deutung für jeden gerichtlichen Verkauf von Pfändern geben, für
den Fall des Vereignens aber dem Gepfändeten das Recht zuschrei-
ben, wegen übermäßiger Pfändung zu Rechte zu rufen. Auf eine
Befugniß dieser Art werden die oben bereits angezogenen Worte
des §. 6. Tit. 192.
.... edder he iß moth willigen overköfft
zu deuten sein, indem überkaust für überpfändet zu nehmen sein dürfte
(vergl. die obige Bemerkung zu s). Die Gerichte scheinen aber in
dieser Beziehung sehr nachsichtig gegen den Pfänder gewesen zu sein;
denn im Add. 70. klagt der Schreiber, daß in Rügen sehr nach
Gunst gepfändet worden, und einem armen Teufel, dem die Herr-
schaft oder sonst einer nicht gut sei, um einen Gulden Schuld Pfän-
der zum Werthe von 10 Gulden abgenommen würden, ja wohl drü-
ber, was mehr türkisch als christlich sei. Auch wird Tit. 151. §. 1.
des Falles gedacht, wo einem Bürgen für einen Anderen Pfänder,
die besser seien als die Schuld, wofür er gelobt, verstünden — ein
Schade, welchen, der Schuldner zu tragen habe, wobei man freilich
auch bloße Versäumniß des Schuldners im zu Rechte Rufen voraus-
setzen könnte. — Daß übrigens nach dem Allen Ausdrücke wie die
folgenden:
.... de Richter richtet se (de Pande) nit Market, men verköfft
se up drey Dage negst thovorstande. Tit. 140. Z. 3.
..... Men richtet se (de Pande) cm in dat Market, up drei
Dage tho vorkopende und den Wedderkoep in der Tpdt tho ge-
warende. Tit. 153. §. 4. (Pfändung wegen Schaden)
Zeitschrift f. deutsche- Recht >». Bd. r -p 18

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