Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

Das Pfändungsrecht. 249
weisenden Pfändung für mit verantwortlich erachtet und gleich dem
Pfänder mit Buße belegt. Tit. 189. §§. 1. 2. 12 16).
2) Der Pfänder darf, um sich in den. Besitz der dem Schuld-
ner wegzunehmenden Sachen zu setzen, bei rechtmäßiger Pfändung
Gewalt anwenden.
Tit. 189. §§. 1. 3. woselbst von Gewalt unter dem Scheine
einer Pfändung die Rede ist, d. h. von einer Gewalt, die
gegen den Schuldner verübt worden, ohne daß ein rechtmäßi-
' ger Grund zur Pfändung Vorgelegen hat, so daß also, falls
es mit der Schuld überall seine Nichtigkeit gehabt hätte, keine
(strafbare) Gewalt, kein Unrecht begangen sein würde.
Nur darf diese Gewalt nicht ohne Noch verübt, namentlich
sollen die Schlösser von Kisten oder Kasten, Kammern oder Epi-
kern nicht abgeschlagen werden, wenn der, der gepfändet wird, auf-
schließen will ,7).
Auch wird das Einbrechen in das Haus des zu Pfändenden
während der Abwesenheit desselben nur gestattet, wenn der Schuld-
ner gefährlicher Weise zugeschlossen ulid sich absichtlich entfernt hat
(Tit. 189. 8. 6.), eine Maßregel, die jedoch nach einer anderen

16) Auch bei der Pfändung um Landsteuer — ,,Schutt edder Bede" —
gebührt dem Landreiter ein Pfandgeld. TU. 200. §. l.
Hiebei mag auch erwähnt werden, daß der zur Synode un-
gehorsam ausbleibende Geistliche als „Miethe" für die durch den
Gardvoigt vollstreckte Pfändung „eine Tonne" geben mnßte, von
welcher der Landvoigt die eine, die anderen praesentes et obedi-
entes parrocbiarum Pastores die andere Hälfte erhielten. Tit.
191. §. 4.
17) Tit. 139. §. 5. Dar beit einer Gewalt edder Unrecht, de dem an-
dern sine Schlöte vor Kisten edder Kasten, Kamern edder Spi-
kern affschlecht, wo anders de, de dar gepandet wert, will upschlu-
ten, „idt were denn, he bestünde em nener Pandinge edder Schuldt"
bezieht sich wohl nur darauf, daß in den vorhergehenden tzZ. schon
überhaupt jede ohne rechtlich begründete Forderung vollstreckte
Pfändung für Gewalt und Unrecht erklärt ist, und es wird vor-
ausgesetzt, daß der Schuldner mit seinem Widerspruche danächst
vor Gericht durchdringt.
Zeitschrift f. deutsches Recht n. Bd. r. Hst.

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