Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

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Delbrück:

keine Pfändung gekannt habe, wogegen nach dem beim weltlichen
Gerichte in Uebung befindlichen Rügen'schen Landrechte die (außer-
gerichtliche) Pfändung stattfinde.
Daß endlich die Erwähnung der Frist, nach Ablauf deren die
Pfändung erfolge, lediglich auf die im Erkenntnisse bestimmte Zah-
lungsfrist Beziehung hat, ergibt sich gleichfalls aus einer Verglei-
chung mit dem erwähnten Tit. 40. vom Brocke, indem daselbst
§. 1. für die Anordnung der Frist, innerhalb welcher der Bruch
zu bezahlen sei, ein ähnlicher Ausdruck („steit na Gelegenheit der
Sacke byme Richter") gebraucht wird.
So ist denn jene Bemerkung über die Verschiedenheit des Ver-
fahrens im geistlichen und weltlichen Gerichte gerade als eine ent-
schiedene und ganz allgemeine Bestätigung des oben ausgestellten
Satzes anzusehen, daß nämlich der Land-Gebrauch eine Pfändung
als gerichtliche Zwangsmaßregel in Partheisachen nicht gekannt
habe. In der That würde es auch fast einem inneren Widerspruche
geglichen haben, wenn man für jede auch unbescheinigte Schuld
Pfändung hätte zulassen, und bei der allerklarsten, der gerichtlich
zuerkannten, hätte ausschließen wollen. —
II.
Wie wird die Pfändung ausgeübt.
1) Der Gläubiger selbst ist derjenige, der die Pfändung voll-
streckt, er ist der eigentlich handelnde, und andere Personen, welche
er dabei zuzieht, erscheinen nur als seine Gehülfen. Tit. 200. §. 3.
vergl. 140. §. 1 und 189. §H. 1—3. 12.
Wir haben bereits gesehen, daß dasselbe Verhältniß auch statt-
fand, wenn ein Kirchherr sich vom Landvoigt den Landreiter erbat,
um wegen Zehnten und sonstiger Kirchenabgaben zu pfänden (oben
!. 2. 6.)
Mit dem Gepfändeten stehen diese Gehülfen nicht weiter in
Beziehung, als daß sie von ihm in einigen besonders genannten
Fällen (außer den mehr gedachten Kirchenabgaben, „Pacht, Dienst
und andere lehnliche Gerechtigkeit") ein Pfandgeld erhalten (Tit.
200. §§. 1. 2. vergl. 191. §. 3.), wogegen ihnen bei aller anderen
Schuld-Pfändung, „dar neen beständig Willköhr iß", nur ein
Trinkgeld gebührt, welches der Pfänder selbst trägt. Tit. 200. §. 3.
Die Gehülfen »verden aber bei einer sich als unrechtmäßig aus-

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