Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

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Das Pfändungsrecht.
hebben, he deith Unrecht und drecht sülvest sinen Schaden.
Mahnde de Löviger sine Borgen se beredden neene Pande, ed-
der hielden nicht dar se geheischet würden, und de Glöviger lede
Schaden, he mach Schadepande köpen und den Schaden so hoch
alß de Hovetsumma sich strecket und nicht höher anschlahn undt
de Schade steil ock XIV^ Dage und 111 Dage. Darnach edder
vor, wen he will, mach de Gelöviger den Borgen vor S. G.
Landtgerichte tho sinem Truwlöffte (wiewol de Olden Helden
dat vor eine grote Unehre wenn einer van Adell umb sines
Truwlöfftes willen leth tho Rechte vordagen) leten heischen, so
moth he Borgen stellen innerhalven IV Wecken und III Dagen
tho betalende, dar he vor gelavet hefft. Tit. 74. §§. 2. 4. u. 5.
Danach stellt sich als eigenthümliche Folge der ausdrücklichen Zu-
sage der Darreichung von Pfändern heraus:
einmal, daß der Gläubiger, da er sich „sines Breves" halten
muß, verpflichtet ist, Pfänder zu fordern, selbst wenn er
nicht das Recht eigenmächtiger Pfändung ausüben will, sodann,
daß bei nicht erfüllter Zusage der Gläubiger „Schadepande kö-
pen" konnte, d. h. daß er neben der Beschreitung des Rechts-
weges für die Hauptforderung auf den ihm durch den Wort-
bruch erwachsenen Schaden das Pfändungsrecht ausüben
durfte l5).
Besonders aber von praktischem Werthe ist wohl unsere For-
mel dann gewesen, wenn sie den Zusatz enthielt, daß die zu über-
liefernden Pfänder genügend sein sollten. Es galt dann die sonst
statlfindende Befugniß des Schuldners, sich des ersten Angriffes durch
freiwillige Darreichung eines selbst ganz unbedeutenden Pfandes zu
erwehren (siehe II. 7.) als ausgeschlossen. Tit. 189, §. 7. 191, §. 34.
Auch wird uns im Falle verschriebener Pfändung eine höhere
Buße für unbegründetes zu Rechte Rufen als verfallen bezeichnet.
Tit. 8. §. 7.
Endlich darf auch noch die oben bei Nro. 2.v. bereits erwähnte

15) Das „Pandeköpen" heißt einfach „pfänden," eine Ausdrucksweise,
die sich daraus erklärt, daß die Pfänder nach Ablauf der Dinzel-
tage unter Umständen dem Pfänder von selbst übereignet waren,
und so gewissermaßen als mit seiner Forderung gekauft erschienen
(s. unten Hl. 8.).

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