Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

LSS

Delbrück:

b) Um die Stellung der Bürgschaft in der Lehre von der
Pfändung richtig zu beurtheilen, muß man sich zuvörderst den all-
gemeinen Grundsatz des Land-Gebrauchs vergegenwärtigen, daß der
Bürge vor dem Hauptschuldner verhaftet ist.
De Gelöviger iß, vermöge des Landtrechts nicht schuldig den
Schuldigern mit Rechte vor den Borgen umb de Schuldt tho
Rechte tho sprekende, denn se hebben eine Regelt: Menn
nimpt darumb Borgen dat man denHövetman nicht
will geloven; Derhalven fordert men denHövetman, ipsum
äebitorem, tho Rechte der Schuldt halsen, dat iß de Borge
fey. Tit. 74. §. 7. vergl. mit Tit. 137. §. 14.
(Der Widerspruch der letzteren Stelle ist nur scheinbar,
indem sie offenbar eine Vereinbarung zwischen dem Gläu-
biger und dem Bürgen, daß der Hauptmann zuerst angefpro-
chen werden solle, im Sinne hat.)
Dieser Grundsatz, verbunden mit dem Umstande, daß der Land-
Gebrauch von einem überaus häufigen Gebrauche der Bürgschaft,
sowohl im Gericht als außergerichtlich, Zeugniß ablegt 10), macht
es erklärlich, daß der Verfasser desselben auch in der Darstellung
der für die Pfändung zur Anwendung kommenden Rechtöregeln den
Hauptschuldner mitunter ganz in den Hintergrund treten läßt.
Das Verhalten des Bürgen zum Rechte des Gläubigers, die
Pfändung auszuüben, ist folgendes:
Der Gläubiger spricht zuerst den Bürgen an und pfändet die-
sen. S. Th. 74. §. 22. vornämlich die Worte:
Und de erste Pander (so. der Gläubiger) iß schuldig, des
Borgen Pande so lange tho Borge tho dvende. ......
Tit. 137. 8. 8. vornämlich die Worte:
De Creditor iß nicht schuldig, mehr alß einmahl mit den Bör-
gen na der Pande den Debitorn tho besökepde. .....
Vergl. auch Tit. 75. 8. 13.
Dem Bürgen wird aber eine Frist von drei Dwernachten (6
Wochen) u) gewährt
„darmit dat he sinen Hovetman, dar he vor gelden moth,

10) Dergl. Homeyer a. a. O. S. 59. 60. 64.
11) Hvmeyer a. a. O. S. 63. 64.

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