Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

Das Pfändungsrecht. 237
Sind in eins Edelmans Hafe Pachte verschreven
dürfen daher so verstanden werden:
Sind in und mit eines Edelmannes sonstiger Habe dem Gläu-
biger auch Pachte verschrieben. .....
Und nur so geben sie in Zusammenhang mit dem folgenden
einen verständigen Sinn. Denn wenn man etwa Hafe für Hof
nehmen und den Satz so übersetzen wollte:
Sind bei eines Edelmannes Hofe Pachte verschrieben d. i. als
Zubehör des Gutes, so mag man sie als Pacht pfänden,
so würde der zweite Theil der Stelle:
ock umb den Tegenden re. re.
völlig unverständlich sein weil, wenn Pfändung des Zinsmannes
allgemein zuläßig ist, kein: „auch" mehr folgen kann. In der an-
deren Stelle setzt zuvörderst das angezogene Sprichwort, daß Nie-
mand sich selbst richten kann, außer Zweifel, daß unter dem Ge-
pfändeten, der den Landvoigt anruft, der Znhaber einer Gerichts-
barkeit, ein Zinsherr gedacht wird, der über die Pfändung, die
sein Zinsmann (Tinsenere) erleidet um deßhalb nicht richten darf,
weil derselbe sie für ihn erduldet. Ein Gepfändeter ist der Zins-
herr in sofern, als er, wenn auch nicht unmittelbar, so doch mit-
telbar in der Person seines Zinsmannes gepfändet wird. Das
Anführen des Sprichwortes, daß ein jeder an seinem eigenen Gute
Unrecht thun könne, soll wohl erläutern, warum die Einwendungen
des Zinsmannes gegen die Forderung seines Herrn und die von
letzterem etwa geübte Nachsicht gegen die ersteren vom Gläubiger
als dritten nicht widerlegt, beziehungsweise angefochten werden
konnten» ihr Vorhandensein vielmehr die Unrechtlichkeit der Pfän-
dung zur Folge hatte.
Beide Stellen ergänzen somit einander, indem elftere die Fälle
angibt, in welchen der Zinsmann für seinen Herren Pfändung zu
leiden hat, nämlich bei ausdrücklicher Verschreibung der Pachte und
bei den bevorzugten Kirchenforderungen, letztere aber das Verfahren
erläutert.
Eine Vorschrift, wie die im Sachsenspiegel I. 54« §. 1., daß
der Zinsmann nicht um mehr als eines Jahres Zins gepfändet
werden dürfe, findet sich im Rügen'schen Land-Gebrauche nicht,
und es geschieht dieses ganzen Rechtsverhältnisses weiter keine Er-
wähnung.

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