Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Buchka: Ueber correspective Testamente. 211
Verbindung zu bringen. Um aus diesen vagen Möglichkeiten her-
auszutreten, bedarf die Untersuchung einer concreteren Grundlage.
Kann freilich in dieser Richtung die endliche Entscheidung über alle
hervorgehobenen Möglichkeiten nur aus der Interpretation der im
einzelnen Falle zur Frage stehenden Testamente entnommen werden,
so ist dennoch auch die allgemeine Betrachtung im Stande, eine spe-
cielle Theorie der correspectiven Testamente als die Natur der
Sache zu ermitteln, wenn man nur die Verhältnisse in'sAuge faßt,
welche den Entschluß zu correspeetiver Testamentserrichtung gewöhn-
lich Hervorrufen und diesem Entschlüsse einen so bestimmten Charak-
ter einprägen, daß auch das Resultat desselben einen stets wieder-
kehrenden und damit normalen objektiven Typus annimmt. Es sind
in der Regel Ehegatten, welche correspective Testamente errichten,
indem sie Hre letztwilligen Dispositionen gleichzeitig dem ganzen ma-
teriellen Inhalte nach in eine innere unzertrennliche Einheit bringen.
Das Motiv dieser so eigenthümlichen Art gemeinschaftlichen Testi-
rens ist in der acht ehelichen und insbesondere durch daö deutsche
eheliche Güterrecht getragenen Anschauung zu suchen, von welcher
aus Ehegatten ihr beiderseitiges ursprünglich getrenntes Vermögen
als ein dem Einen wie dem Andern gehöriges einiges Sammtgut
betrachten. Denn es ist in der That nur eine natürliche Consequenz
dieser Anschauung, daß sie, die im Leben ihr gesammtes Vermögen
als ein einheitliches zu behandeln gewohnt sind, auch bei ihren auf
den Tod berechneten Bestimmungen den Gedanken dieser Einheit
festhalten, und demgemäß gemeinschaftlich über das beiderseitige Ver-
mögen als ein Ganzes testiren. Stellt sich nach dem Gesagten
die innere materielle Einheit als die wesentliche Eigenthümlichkeit der
von Ehegatten errichteten correspectiven Testamente dar, so muß
diese Einheit des Inhaltes überhaupt als das Princip bezeichnet
werden, von welchem aus die Theorie der in Frage stehenden letzt-
willigen Dispositionen zu entwickeln ist. Um die Consequenzen voll-
ständig zu erkennen, welche sich aus diesem Principe in Bezug auf
das wechselseitige Verhältniß zweier correspectiven Testamente erge-
ben, bedarf es der specielleren Untersuchung der beiden Fragen:
4.) inwiefern derjenige, welcher mit einem Andern correspectiv
restirt, den Rechtsbestand seines eigenen Testamentes von dem des
andern Testaments abhängig sein lasse» will, und
2) inwiefern jeder der beiden testireriden Personen gleichzeitig

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