Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Entwürfe einer deutschen Verfassung. i75
dem gleich Anfangs beschlossen worden, daß je auf eine Bevölkerung
von 50,000 (nach der Bundesmatrikel) *) ein Vertreter kommen
solle, entschied man sich für den Grundsatz unmittelbarer Wahlen,
ohne jedoch eine Abweichung je nach örtlichen und Landesverhältnis-
sen auszuschließen. Ferner ward das allgemeine Wahlrecht volljäh-
riger, ehrenhafter Staatsbürger ohne Rücksicht auf Vermögen, Re-
ligion und Geburtsstand anerkannt. Auch sollten die Einwohner
Schleswigs, Ost- und Westpreußens zu den Wahlen für die consti-
tuirende Versammlung aufgefordert, folglich in den deutschen Ver-
band ausgenommen werden. In Hinsicht auf die deutschen Einwoh-
ner Posens ward eine Entscheidung der vorbereitenden Versammlung
wiederholt abgelehnt.
Die große Zahl von Anträgen auf Verbesserung unserer gesell-
schaftlichen Zustände, zum Theil sehr durchgreifender Natur übergehe
ich. Man hat mit gutem Grund sich begnügt, dieselben der späteren
Versammlung zur Prüfung und geeigneten Berücksichtigung zu über-
weisen.
So störend auch manche Auftritte in und außer den Sitzun-
gen waren, und so ungeregelt die Verhandlungen selbst sich fort-
wälzten, so ist doch gewiß keiner hinweggegangen, bei dem nicht die
große Bedeutung der Sache, der Werth des gemeinsamen Zusam-
menwirkens von Männern aus Nord und Süd, Ost und Westen,
nicht blos in den Sitzungen, sondern auch in den sonstigen Versamm-
lungen, wo so Manches mit Erfolg vorbereitet wurde, einen tiefen
bleibenden Eindruck hinterlassen hätte. Wir stehen an der Grenz-
scheide einer alten und neuen Zeit. Sehe jeder zu, daß er mit rei-

*) Es war eine Folgewidrigkeit der Versammlung, erst den Vertre-
tungs-Maßstab von 1 zu 70,000 auf 1 zu 50,000 herabzusetzen,
und hintennach zu beschließen, daß die Bundesmatrikel zu Grund
gelegt werden solle, welche die Bevölkerung Deutschlands" nur zn
30,,164,392 Seelen aunimmt, während sie in Wirklichkeit 40„432,805
beträgt (Gotha'scher Kalender von 1847). Es erklärt sich dieß
daraus, daß die Meisten den Stand der Bundesmatrikel nicht kann-
ten, Andere aber dem zweiten Beschluß beitraten, weil sie mit dem
ersten nicht einverstanden waren. Eine Versammlung von 600
Personen, ungerechnet die neuen Provinzen, ist jedoch immerhin
ansehnlich genug!

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