Full text: Volume (Bd. 13 (1903))

12.6. Aschaffenburg, Prof. Dr. G., Das Verbrechen und seine Bekämpfung. Kriminalpsychologie für Mediziner, Juristen und Soziologen, ein Beitrag zur Reform der Strafgesetzgebung.

12.7. Lucas, Dr. jur. H., Anleitung zur strafrechtlichen Praxis.

496

Literatur.

Die Zusammenstellung verfolgt den Zweck, eine handliche Ausgabe der straf-
rechtlichen Reichsnebengesetze in der neuesten Fassung, wie sie Ende Juli 1902
seststand, zu geben. Dieser Zweck wird mit ihr in anerkennenswerter Weise er-
reicht. Denn die Zusammenstellung ist vollständig und enthält auch die zu den
Gesetzen erlassenen Verordnungen und Bekanntmachungen. Die Anführung der
Entscheidungen des Reichsgerichts ist in knappester Form erfolgt. Sie genügt,
wenn mit ihr nur hat ein Hinweis darauf gegeben werden sollen, in welcher
Richtung eine Entscheidung des Reichsgerichts ergangen ist. Berücksichtigt sind
freilich nur die Urteile, die in den „Entscheidungen des Reichsgerichts für Straf-
sachen" zum Abdruck gelangt sind. Oberjustizrat Baumbach.
Anleitung zur strafrechtlichen Praxis. Von vr. jur. Hermann Lucas, Wirkl.
Geh. Oberjustizrat und Ministerialdirektor. Berlin 1902. Verlag von Otto
Liebmann.
An der Hand einzelner Fälle, wie sie das tägliche Leben bietet, will der
Verfasser dem jungen Juristen das Verständnis für die Anwendung und die Trag-
weite der strafrechtlichen Rechtssätze erschließen. Dies ist ihm in so ausgezeichneter
Weise gelungen, daß das Studium, der lebendig und anregend geschriebenen An-
leitung der juristischen Jugend für ihre strafrechtliche Ausbildung nur reichsten'
Gewinn bringen kann. Das Buch bietet mit seinem reichen Inhalte aber auch für
den älteren Praktiker eine so anziehende Lektüre, daß er sie nur mit Freude ge-
nießen wird. Oberjustizrat Vaumbach.
Das Verbrechen und seine Bekämpfung. Kriminalpsychologie für Mediziner, Juristen
und Soziologen, ein Beitrag zur Reform der Strafgesetzgebung. Von Prof.
Dr. G. Aschaffenburg, leitender Arzt an der Beobachtungsabteilung für
geisteskranke Verbrecher in Halle a. S. Heidelberg 1903. Karl Winters Univer-
sitätsbuchhandlung.
Die Notwendigkeit einer Reform unserer Strafgesetzgebung wird von nie-
mandem mehr bezweifelt. Ihr gegenüber steht der Verfasser auf dem Boden der
naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise, die den Ursachen des Verbrechens nach-
forscht und aus den Ergebnissen, welche die Beobachtung des Verbrechens und des
Verbrechers zu Tage gefördert hat, die Mittel zu deren Bekämpfung zu gewinnen
sucht. Bei der Erörterung dieser Ursachen hat der Verfasser besonders den Einfluß
der Jahreszeiten, der Völkerrassen, der Religion, der Trinksitten, der Prostttution
und der wirtschaftlichen Lage einerseits, sowie den Einfluß des Alters und Ge-
schlechts, der Abstammung und der Erziehung andererseits in Berücksichtigung ge-
zogen und deren Bedeutung zum Teil unter Verwertung eines umfassenden
statistischen Materials sestgestellt. Besondere Beachtung verdient der den Kampf
gegen das Verbrechen behandelnde Abschnitt. In ihm wird in eingehender Weise
die Notwendigkeit und Möglichkeit der Vorbeugung gegen das Verbrechen, vor
allem durch Bekämpfung der Trunksucht und wirtschaftlichen Not, erörtert und
gegenüber der heutigen Methode der Bestrafung eine strenge Anpassung der sozialen
Repression an die Persönlichkeit des Verbrechers gefordert, wobei der Verfasser im
Endergebnis im wesentlichen zum Verlangen der Abschaffung des Strafmaßes
gelangt.
Zweifellos ist das Aschaffenburgsche Buch ein Werk, das für jeden denkenden
Juristen von höchstem Interesse sein muß und das auch dem, der den Standpunkt
des Verfassers nicht teilt, eine Fülle des bedeutungsvollsten Materials bietet.
Oberjustizrat Baumbach.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer