Full text: Volume (Bd. 13 (1903))

10.13. Brückner, H., Die (privatrechtliche) Haftung für das rechtswidrige Verhalten anderer, insbesondere der Vertreter und Gehilfen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch und nach sonstigen Reichsgesetzen.

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Literatur.

dictum quod vi aut clam im Rechte des Bürgerlichen Gesetzbuchs und der Civil-
prozeßordnung durch entsprechende Rechtsbehelfe ersetzt?
Einen Rechtsbehelf, der sämtliche Funktionen des Interdictum quod vi aut
clam umfaßt, gibt es im geltenden deutschen Rechte nicht. Wenn man daher ein
Urteil darüber gewinnen will, inwiefern sich im neuen Recht die gleichen Erfolge
erzielen lassen, so ist eine Zerlegung des Interdiktes in seine Funktionen nötig.
Es werden im einzelnen die 88 862 ff., 1004, 823, 227 ff., 859 des B.G.B., 88 935 ff.
der C.P.O. daraufhin untersucht, ob und inwieweit sie das Interdikt ersetzen. Un-
richtig ist die — allerdings auch von Cosack und Turnau-Förster vertretene —
Meinung, daß gegen die Besitzklage eine Widerklage aus dem Recht zulässig sei
(8 863). Biermann hat sich in der zweiten Auflage der verneinenden Ansicht
angeschlossen, die Berufung auf ihn ist also nicht mehr gerechtfertigt.
Was den Wert der Abhandlung anlangt, so sind Klarheit der Darstellung,
die Zweckmäßigkeit der Anordnung und die Fähigkeit, juristisch zu denken, lobend
anzuerkennen. Ob es allerdings notwendig war, die Arbeit — falls sie nicht etwa
eine Dissertation sein sollte — drucken zu lassen, ist eine andere Frage. Gewiß
ist es ganz belehrend, wenn man auch einmal erfährt, in welcher Weise dieses oder
jenes Institut des römischen Rechts durch moderne Rechtsbehelfe ersetzt wird. Für
Examenszwecke mag ein solches Thema sogar empfehlenswert sein, und ich vermute,
daß auch der Gerstelschen Arbeit eine Prüfungsaufgabe zu Grunde liegt. Aber
eine wirklich wissenschaftliche Leistung kann nur in den seltensten Fällen das
Ergebnis eines so völlig unwissenschaftlichen Themas sein. Was soll dabei für
die Erkenntnis unseres neuen Rechts — oder auch meinetwegen für die des inter-
dictum unde vi aut clam — Ersprießliches herauskommen, wenn man eine Reihe
von Gesetzesbestimmungen daraufhin untersucht, ob sie unter gewissen Umständen
die Funktionen des interdictum unde vi aut clam erfüllen können? Das wäre allen-
falls als letzter Paragraph einer Monographie über das Interdikt zulässig, aber doch
nicht als besondere Abhandlung. Praktischen Wert hat die Arbeit natürlich eben-
sowenig, — das interdictum unde vi aut clam wird auch einem gemeinrechtlichen
Juristen nicht so in Fleisch und Blut übergegangen sein, daß ihm die Art und
Weise seines Ersatzes Kopfschmerzen bereitete.
Rechtsanwalt Vr. James Brett-Leipzig.
Die (privatrechtliche) Haftung für das rechtswidrige Verhalten anderer, insbeson-
dere der-Vertreter und Gehilfen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch und nach
sonstigen Reichsgesetzen. Von Reichsgerichtsrat H. Brückner. Hannover'1901.
Helvingsche Verlagsbuchhandlung. 34 S.
Die kleine Schrift ist ein Sonderabdruck aus dem „Recht" und gewährt eine
gute Übersicht über die einzelnen Fälle der Haftung für das rechtswidrige Ver-
halten dritter Personen. Unzutreffend ist die S. 13, 14 ausgesprochene Ansicht,
daß nach 8 278 des B.G.B. der Teilhaber einer offenen Handelsgesellschaft als ge-
setzlicher Vertreter der Gesellschaft diese verpflichte. Gesetzliche Vertreter im
Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs sind nur der Gewalthaber, der Vormund,
Pfleger und Beistand (8 1693),.niemals aber der Gesellschafter (vergl. auch Reh-
bein, Kommentar Bd. 2 S. 105). Rechtsanwalt vr. James Breit-Leipzig.

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