Full text: Volume (Bd. 13 (1903))

Zu §§ 536, 823, 254 des B.G.B.

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sondere Vorsichtsmaßregeln abgewendet habe. Hiernach und da davon,
daß das Verschulden des Klägers einen besonderen Einfluß auf die Höhe
des entstandenen Schadens geübt habe, nicht die Rede sein kann, er-
scheint es zugleich ausgeschloffen, daß der Schaden als „vorwiegend"
von dem Kläger verursacht angesehen werden könnte.
Zu einer Aberkennung des Klaganspruchs im vollen Umsange würde
somit auf Grund der Vorschrift in § 254 des B.G.B. nur zu gelangen sein,
wenn sich, beiderseitiges Verschulden unterstellt, sagen ließe, daß dasjenige
des Klägers, verglichen mit dem des Beklagten, ein viel schwereres sei, er
bei weitem mehr als dieser die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer
acht gelassen habe. Eine solche Beurteilung würde aber ungerechtfertigt
sein. Hat der Beklagte die Pflicht gehabt, die durch die Eisschicht den
Bewohnern seines Grundstücks und den sonst dort verkehrenden Menschen
drohende Gefahr zu beseitigen, so ist nicht abzusehen, warum, dasern er
das unterließ, sein Verschulden als ein besonders leichtes anzusehen sein
sollte, da es nach der ganzen Sachlage ihm nicht die mindeste Schwierig-
keit bereiten konnte, sich von dem Zustande in dem Grundstücke zu über-
zeugen, die gefährliche Eisbildung zu erkennen und die erforderlichen Vor-
kehrungen anzuordnen.
Auf der anderen Seite würde es, dafern der Kläger im Laufe des
Unfalltages oder kurz vorher die Eisbildung am Eingänge des Hofes ge-
sehen haben sollte, nicht als eine besonders schwere Außerachtlaffung der
in seinem Interesse gebotenen Vorsicht und Aufmerksamkeit angesehen
. werden können, wenn er am Abend des Unsalltages, als er den Abort
auszusuchen genötigt war, an die wahrgenommene Eisbildung nicht ge-
dacht und deshalb unterlassen hätte, besondere Vorsichtsmaßregeln zu
treffen. Wenn die Vorinstanz zu seinen Ungunsten besonderes Gewicht
darauf legt, daß er zu seinem Wege kein Licht mitgenommen habe, so ist
zu berücksichtigen, daß er nach seiner in dem angefochtenen Urteile als
wahr angesehenen Angabe mit den in Betracht kommenden örtlichen Ver-
hältnissen im allgemeinen bekannt war, und nach den Behauptungen des
Beklagten weder in der Einfahrt, noch in dem Hofe wirkliche Finsternis
herrschte.

J

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