Full text: Volume (Bd. 13 (1903))

Königsdörffer, Die Teilbarkeit der Grundstückerc. 27
sind zunächst zu erörtern. Sie sind ursprünglich steuerrechtlicher Natur.'
Ihren Ursprung hat die Unterscheidung in der alten Schocksteuer. Diese
war auf die Grundstücke gelegt nach deren Wertsverhältnisse, das ausge-
drückt wurde in Schocken (60 Stück) böhmischer Groschen; daher der Name.
Mit dieser Steuer wurden nicht die einzelnen gegeneinander räumlich oder
durch künstlich geschaffene Grenzen abgetrennten Bodenteile belegt, sondern
die gesamten einheitlichen Grundbesitzungen in Stadt und Land. Die
derart zusammen „verschockten" Grundstücke wurden in Kataster eingetragen.
Daneben kam es aber aus besonderen Gründen vor, daß jemand ein zu-
sammengehöriges Besitztum nicht aufweisen konnte, sondern nur einzelne
Grundstücke besaß, die dann auch als einzelne mit der Schocksteuer belegt
und eingetragen wurden. Sie wurden als „walzende" Grundstücke be-
zeichnet. Dieser zunächst mehr theoretische Unterschied gewann jedoch da-
durch außerordentlich an Bedeutung, daß die zusammen verschockten Grund-
stücke nur mit der Genehmigung der Steuerbehörden zerteilt werden dursten.
Bei den walzenden Grundstücken gab es zwar auch gewisse Teilungs-
beschränkungen, aber lange nicht von dieser Wichtigkeit. Auch diese Be-
schränkung bestand zunächst im steuerrechtlichen Interesse, und zwar wurde,
da die Katastration sich keineswegs einheitlich und in schneller zeitlicher
Folge vollzog, als sog. Normaljahr, dessen Stand maßgebend sein
sollte, das Jahr 1628 bezeichnet. Wenn auch damals die volkswirt-
schaftlichen und sozialen Rücksichten, die neuerdings zu einer so vielfachen
Behandlung der Frage nach der Unteilbarkeit insbesondere der Bauern-
güter geführt haben, noch lange nicht die Beachtung fanden wie heute, so
machten sich doch bald die Wohltaten einer solchen Unteilbarkeit so sehr
bemerkbar; daß nicht lange nach der Einführung dieser Einrichtungen
die dadurch geschaffenen verschiedenen Größen- und Wertsgruppen der
Grundbesitzungen für viele andere Berhältniffe nicht nur des öffentlichen,
sondern auch des Privatrechts von Bedeutung wurden. Man verschritt
deshalb dazu, ein Höchstmaß der Abtrennbarkeit festzustellen und ließ auch
Vereinigung mehrerer Grundstücke mit der Maßgabe zu, daß diese neu-
gebildeten Grundstückskörper hinsichtlich der Teilbarkeit wie die schon im
Normaljahre 1628 katastriertm behandelt wurden.
Da kam das Jahr 1843 und mit ihm in dem Gesetze, die Einführung
des neuen Grundsteuersystems betr>, vom 9. Sept. 1843, die endliche Ver-
wirklichung der schon im Landtagsabschiede vom 30. Oft. 1834 in Aussicht
gestellten Einführung eines neuen Grundsteuersystems. Dieses drohte aber
das ganze bisherige Verhältnis der Untrennbarkeit bestimmter Grundstücks-

' Vergl. zum folgenden Judeich, „Über Konsolidation und Dismembration
nach sächsischem Rechte", in der Zeitschr. f. R. u. V. N. F. Bd. 11 S. 510 ff.

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