Full text: Volume (Bd. 13 (1903))

Mangler, Das Vieh als Zubehör eines Landguts^

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Es ist also der Betrieb von Ackerbau und Viehzucht zusammen, der
den Begriff des landwirtschaftlichen Betriebes nach dem preußischen und
sächsischen Recht ausmacht, und muß daher auch für das Reichsrecht
angenommen werden, daß bei einem Landgut als das zum Wirtschafts-
betriebe bestimmte Vieh der gesamte auf dem Gute vorhandene Vieh-
bestand zu bezeichnen ist, der dem Betriebe des Ackerbaus und der Vieh-
zucht, so wie der eine oder der andere Betrieb gerade jeweilig gepflogen
wird, dient. Vergegenwärtigt man sich im einzelnen Falle genau die
Art und Weise, wie aus dem in Betracht kommenden Landgute die Land-
wirtschaft betrieben wird, so kann bei der Entscheidung der Frage, welche
Tiere man zum Zubehör des Guts zu rechnen habe, im allgemeinen kaum
ein Zweifel sein. Es kommt immer nur darauf an, sestzustellen, wozu
die Tiere bestimmt sind. Die im Preußischen Landrecht versuchte Kasuistik
wird sich auch heute noch, wenigstens im großen und ganzen, bei der
Entscheidung jener Frage nicht ohne Nutzen verwenden lassen. Diese
Kasuistik trifft wenigstens die Regelfälle. Die einschlagenden Bestimmungen
sind folgende (Allg. L.R. Teil I Tit. 2 §§ 48 ff.):
§ 48. Als Pertinenzstücke eines Landguts werden, in der Regel,
alle daraus befindlichen Sachen angesehen, welche zum Betriebe des
Ackerbaus und der Viehzucht gebraucht werden.
§ 52. Alles auf dem Gute befindliche, zu dessen Bewirtschaftung
bestimmte Zug- und Lastvieh, ingleichen alles vorhandene nutzbare
Vieh nebst den zu beiden gehörigen Gerätschaften sind Pertinenzstücke
dieses Guts.
8 53. An jungem Vieh wird so viel zum Zubehör des Guts ge-
rechnet, als zur Unterhaltung des Bestandes erforderlich ist.
8 54. Vieh, welches bloß zum Verkauf oder Hausgebrauch aus
die Mast gestellt worden, ist kein Pertinenzstück des Landguts.
ß 57. Überhaupt sind Tiere, welche bloß zum Haus- oder per-
sönlichen Gebrauch oder zum Vergnügen des Besitzers gehalten werden,
unter den Pertinenzstücken eines Landguts nicht mitbegriffen.
8 58. Gemeine Hühner, Gänse, Enten, Tauben und Truthühner
werden zu den Pertinenzstücken eines Landguts gerechnet.
'8 59. Seltene Arten von Federvieh gehören nur insoweit zu den
Pertinenzstücken, als nicht gemeine Arten derselben Gattung in einer
verhältnismäßigen Anzahl vorhanden sind.
Richtig verstanden, werden diese Bestimmungen auch für die Aus-
legung des Zubehörbegriffs des Reichsrechts verwendet werden können.
Sie passen jedenfalls auf die Landgüter, wie sie heutzutage die Regel bil-
den. Die kleine Bauernwirtschaft wie das große Gut werden im all-
gemeinen so bewirtschaftet, daß sie sämtlich sich mit Ackerbau, Viehzucht
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