Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 13 (1903))

Mangler, Das Vieh als Zubehör eines Landguts. 17
Futter verwerten zu können, wird im rationellen Betriebe neben dem
Zugvieh noch weiteres Vieh gehalten. Wo die Wirtschaft weit abliegt
von Städten und Eisenbahnverbindungen, so daß sich der Absatz von Milch
nicht lohnt, da zieht der Landwirt Mastvieh groß für die Fleischer; liegt
aber eine Wirtschaft nahe an großen Orten oder sind solche leicht mit
der Eisenbahn zu erreichen, da hält der Landwirt weniger auf Schlacht-
stücke als auf Milchvieh. Die Milchwirtschaft ist heutzutage für viele
Landwirte der lohnendste Betrieb überhaupt. Der intensiv Wirtschaftende
wird auch die Absallstosfe der Milch wie überhaupt die Abfälle der Wirt-
schaft noch ausnutzen, und auch das drängt ihn geradezu zu einem ge-
wiffen Tierbestand. Man denke hier insbesondere an das Halten von
Schweinen, die auf den Gütern ohne besondere Kosten gezüchtet werden
können, weil sie in der Hauptsache von Abfallstoffen leben. Was sonst
nicht verwertbar ist, zum Schweinefutter pflegt es allemal noch tauglich
zu sein. Hierher gehört auch das Halten von Federvieh. Auch diese nähren
sich mehr von selbst, sie begnügen sich mit den auf jedem Gute zur Ge-
nüge vorkommenden verstreuten Körnern. Aus diese Weise wird man wohl,
in der Regel,, auf jedem Landwirtschaft treibenden Grundstück eine ge-
wisse Verbindung" Lon Ackerbäu und Viehzucht vorhanden finden. Beide
gehören begrifflich geradezu zusammen. Fragt man z. B. die bei denGerichten
in Pflicht stehenden landwirtschaftlichen Sachverständigen, welches Vieh
nach ihrer Ansicht für den Wirtschaftsbetrieb des Landwirts erforderlich
ist, so kann man sicher sein, daß je nach der Größe des Landguts und je
nach den einschlagenden örtlichen Verhältnissen eine bestimmte Anzahl von
Pferden, Rindvieh, Schweinen und Federvieh als das mindeste bezeichnet
wird, was auf einem Gute vorhanden sein müsse, um eine rationelle
Wirtschaft zu betreiben. Keinem Landwirt wird es einfallen, in Über-
einstimmung mit der hier bezeichneten Gerichtsentscheidung als den wirt-
schaftlichen Zweck eines Landguts begriffsgemäß die Gewinnung der darauf
zu ziehenden Früchte zu bezeichnen und als Wirtschaftsbetrieb die Tätig-
keit anzusehen, die der Erreichung dieses Zwecks dient. Wirtschasts-
betrieb eines Landguts ist vielmehr die Tätigkeit, die aufgewendet wird,
um das betreffende Landgut verwertbar, wirtschaftlich rentabel zu machen.
Soweit der auf dem Gute vorhandene Viehbestand dazu bestimmt ist, die
auf dem Gute gerade betriebene Landwirtschaft in der der jeweiligen
Wirtschaft nach den räumlichen und örtlichen Verhältnissen eigenen Ver-
bindung von Ackerbau und Viehzucht zu unterhalten, insoweit ist er Zu-
behör, gleichviel um welche der beiden Betriebe es sich handelt.
Dieser von der Nationalökonomie und im praktischen Leben des
Landwirts eingenommene Standpunkt ist auch der Standpunkt des
Bürgerlichen Gesetzbuchs.
Archiv für Bürgerl. Recht u. Prozeß. XIII. 2

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