Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 13 (1903))

Literatur.

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wird der Inhalt der gesetzlichen Bestimmungen mit den Erläuterungen zu einem
systematischen Ganzen verwebt. Zuerst werden in der Regel die leitenden Ge-
sichtspunkte lichtvoll herausgestellt; alsdann wird in systematischer Anordnung der
Inhalt der Bestimmungen in seinen Einzelheiten und seinen Folgerungen behan-
delt. Eine sehr klare, durchsichtige Sprache und Vortragsweise, eine bemerkens-
werte Schärfe des logischen Gedankens und der juristischen Formulierung, eine
für das verständnisvolle Erfassen des Gesetzes wesentliche Hilfe leistende, über-
sichtliche, systematische Gruppierung, das fortdauernde Hervorkehren des innern
Zusammenhangs, die Wahl guter, den Inhalt und die Tragweite der gesetz-
lichen Bestimmungen hell beleuchtender Beispiele, ein wohl abgewogenes Urteil,
ein weises, richtiges Maßhalten im Heranziehen der Literatur, das alles sind Vor-
züge, die das Werk zu einem trefflichen und schätzenswerten machen. Auch in der
Bemessung des Stoffes ist ein Anerkennung forderndes Maß innegehalten. Auf
der einen Seite ist keinesfalls zu wenig gegeben; man wird über alle irgendwie,
namentlich in praktischer Hinsicht, wesentlichen Fragen vollkommen ausreichende
Auskunft finden. Der erforderlichen eingehenden Erörterung der Einzelheiten
sind vornehmlich die zahlreichen, zum Teil sehr ausführlichen Anmerkungen ge-
widmet, wodurch erreicht wird, daß die Darstellung im Texte die wünschenswerte
Geschlossenheit behält. Im besondern ist zu bemerken, daß den vielfachen Kontro-
versen, die bereits bei der Auslegung des Bürgerlichen Gesetzbuchs hervorgetreten
sind, gewissenhaft Erwähnung geschieht und daß dazu auch bestimmte Stellung ge-
nommen wird. Gegenüber dieser sorgsamen Behandlung der Einzelheiten ist an-
dererseits zu betonen, daß die Verfasser sich doch davor gehütet Haben, zu tief in
einzelne Untersuchungen einzutreten, eine Versuchung, die nicht ganz fern liegt bei
der in Hinsicht mancher Materien bereits reichlich erflossenen Literatur. Daß die
Begründung der von den Verfassern vertretenen Ansichten dem einzelnen Beurteiler
nicht immer ganz einwurfsfrei erscheint, kann dem Werte des Werkes selbstverständ-
lich keinen Abbruch tun. So dürsten, um nur ein einziges Beispiel anzuführen,
die Ausführungen der Verfasser bezüglich der bekannten Streitfrage, ob derjenige,
der nach 88 325 und 326 Schadenersatz wegen Nichterfüllung begehrt, seinerseits zur
vertragsmäßigen Gegenleistung verpflichtet ist, zum Teil auf eine petitio principii
hinauszulaufen. Sie verneinen in Übereinstimmung mit Sch oller, Staub und
Cosack diese, neuerdings auch von dem zweiten Civilsenat des Reichsgerichts (Bd. 50
S. 255) in gleichem Sinne für 8 326 entschiedene Frage. Wenn sie als Grund gegen
die gegenteilige Ansicht geltend machen, der Schadenersatz wegen Nichterfüllung
trete an die Stelle der Erfüllung des Vertrags, wie Leistung und Gegen-
leistung, so ist das ja gerade die Frage, über die gestritten wird; wenn das un-
zweifelhaft wäre, daß „Schadenersatz wegen Nichterfüllung" hieße „Schadenersatz
wegen Nichterfüllung des Vertrags" und nicht „Schadenersatz wegen Nichterfüllung
der Leistung des Säumigen", dann wäre ja ein Streit kaum möglich. Wenn sie
weiter sagen, der Schadenersatzanspruch wegen Nichterfüllung setze den Fort-
fall der Verpflichtung zur Gegenleistung voraus so ist das ebenfalls kein Grund,
sondern lediglich eine Behauptung, und zwar im wesentlichen dieselbe wie die vor-
hergehende, nur in anderer Gewandung. Und wenn sie ein siegreiches Argument
in der Folgerung zu haben glauben: nach 8 323 Abs. 1 verliert der Schuldner den
Anspruch auf die Gegenleistung, wenn die Leistung infolge eines von ihm nicht
zu vertretenden Umstandes unmöglich werde, und er sollte den Anspruch behalten,
wenn er den Umstand, auf dem die Unmöglichkeit der Leistung beruht, zu ver-
treten habe, so ist die Antwort hierauf sehr einfach. Im Fall des 8 323 Abs. 1,

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