Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

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Brackenhoeft:
Lehen findet fie fich in dem geliehenen Gedinge. Denn obgleich der
dadurch Berechtigte keine Gewere hat, so ist er doch befugt, sich ei-
genmächtig in den Besitz des geliehenen Guts zu setzen, wenn der
Fall eingetreten ist, aus den die Verleihung geschehen, und der Herr
ihm die Einweisung verweigert292), wozu ein bloßes Forderungs-
recht ihn nicht befugen könnte. — Die Analogie vom geliehenen Ge-
ding redet übrigens auch dafür, demjenigen, der eine deutsche tradi-
tio des Eigenthums erlangt, von späteren Empfängern und wider
den Willen des Tradenten die Investitur zu ertheilen; sie zeigt we-
nigstens, daß dieß deutscher Ansicht entsprechend ist. — Beim Ver-
tragserbrecht, dem die Bestellung eines Leibgedr'ngs in dieser Bezie-
hung an die Seite zu setzen ist 2()8), muß man sie wenigstens noch
immer in einer gewitzen Beziehung als bestehend anerkennen. Giebt
man nämlich zu, daß auch die alten Vergabungen auf dem Vertrage
beruhten 209), so steht kein innerer Grund entgegen, den neuern Erb-
vertrag als eine Modification derselben zu betrachten. Wenn nun
auch beim Eindringen des römischen Rechts die alten Vergabungen
von dem Gesichtspunkte des Erbeinsetzungsvertrages aus im Allge-
meinen von den Juristen für ungültig erklärt und durch die römi-
schen Testamente verdrängt worden, so haben doch die späteren Ju-
risten sie eben unter Berufung auf das germanische Recht zum An-
sehn gebracht21fl). Dazu konnten sie nur durch ein practisches Be-
dürfniß veranlaßt werden 2"); und dieses konnte nur entstehen,
wenn die Vergabungen noch im Gebrauch waren. Theils war das
Princip, worauf sie sich stützten, die den Vertrag zum bindenden Ge-

207) Sächs. Lehn-R. 10. Schwäb. Lehn-R. 13. §. 2. Wenn hier gesagt
ist, daß der Mann sich eines andern gleich großen Guts unterwin-
den soll, so wird dabei offenbar vorausgesetzt, daß dem Unterwinden
des Verliehenen Hindernisse entgegenstehen.
208) Vgl. oben §. 2. Not. 62. 63.
209) Vgl. oben §. 4. nach Not. 130.
210) Dieß ist das Resultat der Nachrichten, welche Beseler a. a. O. II.
Bd. 1. S. 118—207. darüber giebt, obgleich er selber zu einer an-
dern Ansicht gelangt, die dahin geht, daß die alten Vergabungen durch
die Testamente verdrängt, und die Erbverträge ihr Daseyn dem Zu-
ristenrechte verdanken.
211) Vgl. auch Beseler a. a. O. S. 160.

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