Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

392

Reyscher:

nimmt den Begriff einer solchen gemeinen Ehre schon im Mittel-
alter an, und bezeichnet sofort die Ehrlosigkeit als den „gänzlichen
Mangel jeden Anspruchs auf Anerkennung der persönlichen Würde."
Was das heutige Recht betrifft, so meint derselbe Vorwort S. VI.:
die Richtigkeit der älteren Auffassung, daß das römische Recht auch
in dieser Lehre jetzt als die Grundlage anzusehen sey, wäre erst in
neuester Zeit durch Savigny's Untersuchungen über die Infamie
in Frage gestellt worden, wornach das römische Recht hierin keine
Gültigkeit habe. Allein schon im Jahr 1837, ebenfalls in meinem
Privatrecht a. a. O., habe ich dieselbe in den Worten zufammen-
gezogen: „Während hienach allerdings der Formalismus des römi-
schen Rechts in der Lehre von der Infamie herrschend geworden
ist, läßt sich ein Gleiches nicht von dem Inhalte dieser Lehre, na-
mentlich den Entstehungsgründen und Wirkungen der Ehrlosigkeit
behaupten, in welcher Beziehung vielmehr einheimische Sitte, mehr
noch als Theorie und Gesetzgebung, dem fremden Rechte stets ent-
gegen gewesen ist." Ich bin nicht geneigt, auf eigene Ansichten gro-
ßen Werth zu legen — die Hauptsache bleibt doch immer die Be-
gründung —; aber einer fremden Ansicht gegenüber, die als eigene
auftritt, darf ich denn doch wohl meine alte, wie es scheint, nicht
unbegründete wahren.
Den Frauen ist in neuerer Zeit von Gesetzgebern und Juri-
sten besondere Ehre widerfahren. Jene haben die Emancipatio» der
Frauen durch Aufhebung der deutschen Geschlechtsbeistandschaft in
mehreren Ländern, wo sie noch bestand (z^ B. Württemberg, Baden),
durchgeführt. Diese haben das Frauenrecht zum besonderen Gegen-
stand ihrer Untersuchung gemacht. Einem österreichischen Frauen-
recht ist ein „Beitrag zu den ehelichen Verhältnissen, insbesondere
zu der rechtlichen Stellung der Frauen nach dem Hamburgischen
Stadtrechte von 1270, von C. W. Harder, Hamburg 1843 (Kitt-
ler) nachgefolgt. Eine ausgezeichnete Erwähnung sind wir aber,
auch von unserem Standpunkte aus, schuldig folgender, von der
Academie der moralischen und politischen Wissenschaften gekrönten
Preisschrift:
Recherches sur la condition civile et politique des femmes,
depuis les Romains jusqu’ä nos jours; par Kd. Luiiboulaye*
Paris, Joubert, 1845.

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