Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

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Bücherschau von 1842 u. 1845.
macht den Anspruch an die Gesetzgebung, daß der in unseren Zu-
ständen, d.h. in dem ganzen Umfange des deutschen Lebens, liegende
Nechtsgeist erkannt werde, als der einzige, der statt der bloßen Her-
stellung eines formellen Rechts einen allgemeinen und begründeten
Anspruch auf vollständige Verwirklichung habe. Seine Auffassung
gehöre der Wissenschaft an, aber nicht der Stubengelehrsamkeit, son-
dern der Wissenschaft, welche das Leben kennt. Den Austausch der
Gedanken über den vorhandenen Stoff, meint er, würde eine Zeit-
schrift fördern können, wenn es nicht vielleicht gar gelänge, nach
dem Vorgänge der Versammlungen der Naturforscher, der Land-
wirthe und Philologen auch eine nationale Versammlung von Rechts-
gelehrten zu Stande zu bringen. Der Aufschwung, den die Erkennt-
niß unserer Volksthümlichkeit gewonnen, der schöne Einklang zwischen
Negierungen und Volk, uns für diese Volksthümlichkeit gerade die
materielle Einheit im gesammten Vaterlande und für sie den Halt-
punkt zu zeigen, möge nicht wieder sich verflüchtigen, ohne eine all-
gemeine Gesetzgebung für alle deutsche Völker hervorgerufen zu
haben. — Practische Bemerkungen desselben Verfassers zu dem Ent-
würfe eines bürgerlichen Gesetzbuchs für Hessendarmstadt s. in die-
ser Zeitschrift Bd. VII. Nr. 3.
Eine wichtige Erscheinung ist es, daß nicht bloß von Juristen,
sondern auch von Staatswirthen und Staatsmännern jetzt sehnsüch-
tige Blicke nach dem alten vaterländischen Rechte zurückgeworfen
werden. Wir haben bei einer früheren Veranlassung in dieser Hin-
sicht des Nationalöconomen List gedacht (Bd. VII. S. 142). Aehn-
lichem, wiewohl aus einem andern Standpunkte, begegnen wir in
folgendem Werke:
Die Lebensfragen im'Staate in Beziehung auf das
Grundbesitzthum, von Karl von Sparre, k. preußischem
Landrathe des Kreises Wetzlar. Ir Theil. Gießen 1842.
Enthält eine Untersuchung über die Natur und Bedeutung des
Grundeigenthums, tüchtige aus der Erfahrung geschöpfte Winke
über Verbesserung der Ackergesetzgebung und Gemeindeverfassung,
und bei dieser Gelegenheit Klagen über den nachtheiligen Einfluß,
welchen das römische Recht auf die Grundlagen des bürgerlichen
Lebens geäußert habe. Namentlich sind es die römischen Erbfolge»
gesetze und die unbeschränkte Theilbarkeit der Güter, wogegen im
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