Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

Madai:

2S2
nur apvdictisch behauptet: die auch von ihm als auffallend bezeich-
vete Erscheinung, daß der Pfandgläubiger den das Pfandobject
treffenden Casus trage, sep auf andere Weise als aus einem
Eigenthumsve rhältniß, nämlich aus dem Zusammenhänge der
ganzen Lehre vom Tragen der Gefahr in contra etlichen Ver-
hältnissen zu erklären. Gegen diese Auffassungsweise möchte ich nun
schon im Allgemeinen folgendes Bedenken erheben. Alb recht will
die in Rede stehende Verpflichtung des Pfandgläubigers aus den
für das Tragen der Gefahr in contractlichen Verhältnissen herr-
schenden Grundsätzen erklären. Kann denn aber die Satzung, wie
wir sie noch im Sachsenspiegel, auf den Al brecht doch vorzugsweise
seine Theorie stützt, vorfinden, als ein eigentlich contra etliches
Verhältniß betrachtet werden? Gehört nicht die Satzung viel-
mehr den Eigenthu.msrechten und den Uebertragungssormen desselben
an? Liegt also nicht in der Behauptung, daß bei der Satzung nicht
sowohl die für das Eigenthum, vielmehr die für obligatorische Ver-
hältnisse herrschenden Principien über die praestatio periculi zur An-
wendung zu bringen seyen, eine durchaus unerwiesene Versicherung,
ja eine reine petitio principii? Es scheint mir fast, als ob hier der
berühmte Germanist sich nicht hinreichend von den Fesseln römischer
Vorstellungen frei gemacht, die Satzung nicht sowohl aus dem ur-
sprünglich deutschen Gesichtspunkte, sondern aus dem des römischen
Pfandrechts, als eines zur Sicherung eines vorhandenen obligawrt-
schen Verhältnisses bestehenden accessorischen Rechtes betrachtet habe.
Wenn schon in dem römischen Recht diese beiden Gesichtspunkte
des obligatorischen und des dinglichen Rechtes streng aus einander
gehalten werden müssen, so darf noch viel weniger das Rechtsver-
hältniß der deutschen Satzung als unter dem Einflüsse contractlicher Prin-
cipien stehend aufgefaßt werden. — Beleuchten wir nun aber diese Al-
brecht'sche Theorie über das Tragen der Gefahr in contractlichen
Verhältnissen überhaupt, so wie inbesondere ihre Anwendung auf
die Satzung noch etwas näher. Dieselbe beruht, nach Albrecht's
eigenem Ausspruch auf folgenden Hauptgrundsätzen: 1) Derje-
nige, welcher kraft eines Vertrages eine fremde Sache besitzt, ist
von dem Casus frei, wenn der Vortheil des Vertrages lediglich auf
beiten des Gebers ist, wie z. B. bei dem reinen Depositum. 2) Da-

«) Xlbrecht a. a. O. S. 135.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer