Volltext: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 8 (1843))

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Renaud:

seyn können, indem der jüngere Bruder aus eigenem Rechte re-
trahiren und sich nur den Verzicht seines altern Bruders auf das
von diesem durch die Prävention erworbene Vorzugsrecht zu Nutzen
machen wird 78).
Aus dem Grundsätze von der Persönlichkeit des Retractsrechts
folgt ferner, daß ein erworbenes Recht der Art nicht auf die Erben
des Berechtigten übergeht, und zwar auch dann nicht, wenn die
Retractsklage vom Erblasser bereits anhängig gemacht worden 79).
Endlich ergiebt sich aus demselben Principe, daß der Re--
tractsberechtigte nicht zu Gunsten einer andern Person fein Recht
ausüben kann. Anders wäre das Verbot der Cession des Re-
tracts bei der Leichtigkeit, mit welcher es umgangen werden könnte,
ein nichtiges. Hat also der Besitzer der zu retrahirenden Liegenschaft
einen begründeten Verdacht, daß der Retrahent zu Gunsten eines
Andern retrahiren wolle, so kann er denselben zu einem Reinigungs-
eide anhalteü 80). Ein solcher Verdacht ist z. B. aus der Armuth
des Retrahenten oder auch daraus zu entnehmen, daß er zu der-
selben Aeit, wo er die Losung ausüben will, seine eigenen Güter
veräußert. Es muß ihm jedoch, wo dieses der Sache nach möglich
ist, statt des Eides eine Gewissensvertretung zu übernehmen gestat-
tet seyn 81).
In Praxi wird man hier auf schwierige Fragen stoßen. Ge-
setzt der Retrahent habe auf Gesuch des beklagten Besitzers Ma-
nifestation geleistet, worauf denn der Beklagte durch Urtheil an-
gehalten wurde, jenem den Besitz der Liegenschaft einzuräumen;
gesetzt ferner, der Retrahent habe sofort wieder die retrahirte Lie-
genschaft an einen Fremden veräußert, wird durch eine derartige
sofortige Veräußerung nicht die Vermuthung begründet seyn, daß
jener zu Gunsten eines Andern retrahirt habe? 82)— Gegen eine
solche Annahme ist der Retrahent wohl durch den von ihm gelei-
78) Walch 120. Notei.
79) Walch S. 120, «. S. 315. Note 13. Oesterr. Gesetzb. §. 1074.
HO) Walch S. 119 u. 669. Preuß. Landrt. Th. I. Tit. 20. Z. 595.
Bern. Clvilr. Satz. 823 u. 828.
81) Leyser, med. spec. 193. med. 7 UNb Müller, obs. ad h. 1.
82) Phillips I. S. 485. Nach der bad. Landesordn. 6r Th. T. HI. § i.
S. 125 muß der Retrahent geloben, daß er die Sache wenigstens
Jahr und Tag behalten werde.

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