Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 8 (1843))

Näherrecht.

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fatui* Nach dem Obigen aber werden wir dem Sohne des Ver-
käufers, der im Momente des Vollzogenen Kaufes emanci-
pirt war, das nächste Recht zusprechen. —
Aus der Idee des Erblosungs-Instituts ergiebt sich weiter, daß,
wenn ein Gut an eine Person verkauft worden ist, welche in dem-
selben Grade zur Erbschaft des Verkäufers berufen wäre, wie der-
jenige, der retrahiren will, eine Losung nicht Statt finden kann, weil
dieselbe ganz zwecklos seyn würde69), währenddem umgekehrt auch
gegen ein erbfähiges Mitglied der Familie der Retract zulässig iß,
wenn der Retrahent dem Verkäufer als gesetzlicher Erbe näher steht,
als der Käufer, weil hier die veräußerte Sache durch die Losung
in ihren gesetzlichen Erbgang zurückgebracht wird 70).
Wenn wir oben als zur Erblosung berufen jedes erbfähige Mit-
glied der Familie bezeichneten, so lag hierin bereits eine anticipirte
Antwort auf die Frage, ob der nächste Erbe, der von seinem Re-
tractsrechte nicht Gebrauch mache, die entfernten Erben von der Lo-
sung ausschliesse? Wollte man für die Bejahung dieser Frage
vielleicht geltend machen, daß im Augenblicke, wo die Sache
veräußert werde, das Losungs-Recht des nächsten Erben begrün-
det, somit der Anfall des Retracts an einen entferntern Erbe«
wegen des Dastehens des nähern unmöglich sey, möge letzterer
nun sein Recht ausüben oder nicht, so spricht dagegen die Idee
der Erblosung. Wie nämlich beim Tode des Veräußerers sei»
Gut, wenn er es nicht verkauft hätte, dessen nächstem Erben-
wenn dieser aber ausgeschlagen, dem entfernteren angefallen wärh

69) S. ein Responsum der Jenenser Juristenfakultät vom Decbr. 179*
bei Walch S. 545 u. folg.
70) Abweichend sind jedoch die französ. Cout. und die mit ihnen über-
einstimmende ältere französ. Jurisprudenz: »lignager sur lignager
n’a droit de retenue«. Cout. d'Orleans Art. 363. und Delalande
über diesen Art. Vgl. auch Preuß. Landrecht Th. II. Tit. IV. §. 232:
„Es (das Näherrecht auf Familiengüter) findet nur Statt, wenn die
Veräußerung an einen Fremden, nicht aber, wenn sie an ein, obgleich
entfernteres, Mitglied der Familie erfolgt». — Die Inkonsequenz die-
ser Bestimmung ist klar, wenn man sie mit derjenigen des §. 214.
vergleicht: „Unter den männlichen Mitgliedern richtet sich dieBefugniß
zu dessen Ausübung (nämlich des Näherrechts) nach der Ordnung
der gesetzlichen Erbfolge».

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