Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 8 (1843))

2*0 Renaud:
schon die alte Rechtsparömie hin : „was einmal in den Erbgang ge-
kommen, muß in dem Grbgange bleiben", (s. Walch S. 44.)
Da aber das Zugrecht erst mit der Vollziehung des Kaufs-begrün-
det ist, so liegt es in der Natur der Sache, daß das nächste Recht
unter den zum Zuge berufenen Verwandten - nach diesem Zeitpunkte
sich richte 6?).
Wie viel es hier an genauen Distinctionen gelegen ist, wird
Ms folgenden Beispielen hervorgehen.
, Der Verkäufer eines Guts hat einen Sohn und einen Enkel
von einem Vorverstorbenen Sohn. Hier kömmt es darauf an: hat
der nächste Verwandte das nächste Recht zur Losung, so wird
der Sohn des Verkäufers den Enkel unbedingt ausschließen; anders
aber, wenn, wie aus der Entstehungsgeschichte und der Idee des
Instituts hervorgeht, der nächste Erbe das nächste Recht hat.
Da nämlich der Enkel vom verstorbenen Sohne im Erbrechte die
Stelle seines parens einnimmt, und neben dem Sohne gerufen wird,
so wird er auch neben diesem zur Losung berechtigt sep»; daher
zwischen beiden die Prävention entscheiden muß, insoserne das zu re-
trahirende Gut untheilbar ist ®8).
Ferner: der Verkäufer hat zur Zeit, wo der Kauf abgeschlos-
sen wird, einen Sohn, der sich in väterlicher Gewalt befindet, und
einen Bruder; zur Zeit aber, wo der Kauf durch die Uebergabe
der Sache vollzogen wird, ist jener emancipirt. Soll nun der
nächste fähige Erbe zur Zeit des geschlossenen Kaufes (wie
z. B. Walch S. 339 u. folg, meint), den Vorzug im Rechte zur
Losung haben, so wird dieser Vorzug dem Bruder gebühren, da
der in väterlicher Gewalt sich befindende Sohn nicht retrahiren

werde. Wenn also der Adoptiv» Sohn das zu retrahirende Gut ab
intestato geerbt hätte, wofern dieses nicht veräußert worden, so wird
Man ihm auch das Losungs-Recht zusprechen müssen. — Dieselbe Rück-
sicht muß über das Retractrecht legttimirter Kinder entscheiden. Vgl.
dagegen Walch S. 320 u. folg.
67) Vgl. Bern. Civilrecht Satz. 823. Dagegen aber Preuß. Landrecht
Th. IT. Tit. IV. §. 235. 236., wonach es zur Bestimmung der Ver-
wandtschasts-RHe auf den Zeitpunkt ankömmt, wo der Vertrag von
beiden Theilen oder doch von dem Veräußerer unterschrieben worden,
ZM Widerspruche mit den angef. tztzen ist aber schon der 8. 239.
68) Dagegen Walch S. 340.

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