Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

Näherrecht.

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tern Falle, ob sie eine actio in rem scripta sey oder nicht. Eine
jede dieser drei Eigenschaften ist von einzelnen Schriftstellern für
die Retractsklage angesprochen worden ^).
Was nun zunächst die Ansicht, derer anbetrifft, welche die
Klage für eine actio personalis in rem scripta erklären, so setzk
diese voraus, daß erwiesen'ermaaßen die Retractsklage eine persön-
liche sey, und daß sie zugleich gegen jeden dritten Besitzer gehe. —
Das Daseyn dieses letzter» Erfordernisses nun wird von den Ver-
theidigern der.fraglichen Ansicht mehr schlechtweg behauptet, denn er-
wiesen, währenddem man die Persönlichkeit der Klage daraus ent-
nehmen will, daß das Retractsrecht in der Befugniß des Berechtigten
bestehe, den Eintritt in den über die retrahible Sache geschlossenen
Kaufvertrag zu verlangen ^).
In diesem letzter» Argumente stimmen denn auch mit den obi-
gen diejenigen Schriftsteller überein, welche die Retractsklage für
eine rein persönliche Klage (in rem non scripta) halten 36).
Allein gerade dieses Eine Fundament der beiden sonst von
einander abweichenden Ansichten müssen wir für unbegründet, den
Beweis für die Persönlichkeit der Retractsklage für mißlungen er-
klären. Denn die Prämisse, aus welcher auf die persönliche Natur
der Retractsklage geschlossen wird, oder der Grundsatz, daß der Ne-
tract in der Befugniß des Retrahenten bestehe, den Eintritt in den
geschlossenen Kauf zu verlangen, kann weder aus dem Wesen des
Näherrechts, noch aus statutarischen Bestimmungen als begründet
nachgewiesen werden; ja dieser Grundsatz ist sogar juristisch unmög-
lich, da das Retractsrecht, wie weiter unten darzuthun ist, nur nach
vollzogenem Kaufe ausgeübt werden kann, das Eintreten in ein
ronsummirtes Geschäft aber nicht denkbar ist.
Wenn wir aber den Zweck und die Entstehung des Retracts-
instituts in'ö Auge fassen, so erhalten wir folgende Ergebnisse:
1) Der Zweck dieses Instituts ist, wie aus unserer obigen Dar-
stellung hervorgeht, Veräußerungen der Grundgüter außer-
halb gewisser Kreise zu vereiteln. Soll aber dieser Zweck

34) Vgl. Walch, S. 233 u. ff.
35) Vgl. Roßhirt in seinem schätzbaren Beitrage zu der Lehre v. Besitze,
im civilist. Archiv, VIII. S. 62.
36) Thibaut, Versuche. II. S. 56.
Zeitschrift f. deutsche- Recht. 8. 17

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