Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

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zu machen ^). ES hat die Vermehrung und weitere Ausbildung der
sog. gewagten Geschäfte vielmehr ihren Grund Ln der Ausbildung des
Verkehrs, in dem Streben, die producirenden Kräfte zu erhalten, zu
sichern; sie dienen dazu, gewerbliche Unternehmungen zu fördern, oder
den Einzelnen gegen die Laune des Geschickes sicher zu stellen, in-
dem die Gefahren gegenseitig verbürgt, über einen weiten Kreis ver-
theilt, den Kapitalien eine allgemeinere Nutzbarkeit gegeben wird ").
Was im Mittelalter für kleinere Kreise durch das sich abschließende
Corporationswesen mit erstrebt wurde, das wird jetzt in anderer
Weise, aber in einem größer« Umfang durch die weitere Ausbildung
der bürgerlichen Gesellschaft, in welcher jeder nicht blos als Mitglied
einer Genossenschaft, sondern als Individuum eine Stellung und
Geltung hat, verwirklicht. Es ergiebt sich aus dem Vorigen aber,
wie bei näherer Betrachtung jeder Berechtigungsgrund zur Aufstel-
lung einer besonder« Klaffe von gewagten Geschäften, jeder einheit-
liche Gesichtspunkt für die Zufammenordnung derselben verschwindet.
Vergebens wird man auch nur einen für die aleatorischen Geschäfte
gemeinsam geltenden Rechtsgrundsatz suchen. Zwar wird als solcher
angegeben, „daß die römische Lehre von der Verletzung über die
Hälfte bei ihnen nicht zur Anwendung kömmt" 8 9 10j; dich ist richtig
hei dem Glückskauf, paßt aber gar nicht zu den übrigen hierher gerechne-
ten Verträgen. Besonders fallen aber das Spiel und die Wette

8) E. GanS, Beiträge zur Revision der preuß. Gesetzgebung Bd. l.
S. 164.
9) Portalis sagt in seinem Bortrag über die Motive zum Code civil
III, 12. (Proces verbaux du conseil d’etat contenant la discussion
du projet de Code civil T. V, p. 221) über diese Art von Verträ-
gen: Daus l’ordre simple de la nature, ehacun est tenu, de porter
le poids de sa propre destinee. Dans l’ordre de la societe, nous
pouvons au moins en partie nous soulager de ce poids sur les au-
tres. — Enoncer le principe des contrats aleatoires, c’est avoir suf-
fisamment justifie la legitimite de ces contrats. Quoi de plus legi-
time que de mettre en commun nos craintes, nos esperances et
toutes nos affections, pour ne pas abandonner au hasard ce qui
peut etre regle par le conseil et pour nous aider mutuellement
par de pactes sccourables ä courir avec moins de dangers les di-
verses changes de la vie?
10) Runde, deutsches Privatrecht §. 210.

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