Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

Die Wetten.

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oder verloren zu haben, auseinander gehen müßten. Beim kasnar
nauticum, und bei ähnlichen mit Uebernahme einer Gefahr verbun-
denen Darlehen, bei der Bodmerei, kann allerdings der Darleiher
sein Geld verlieren, man kann aber nicht sagen, daß der andere da-
durch einen Gewinn macht, und sich auf fremde Kosten bereichert.
Ähnlich ist es bei der Assecuranz u. s. w. 3) Ist es aber vollends
irrig, alle jene sog. gewagten Geschäfte als solche zu betrachten, die
in einer anderen Weise, als es sonst im Verkehr, namentlich bei kauf-
männischen und industriellen Unternehmungen der Fall ist, des Ge-
winnes wegen eingegangen werde«, und in der Lust den Zufall her-
auszufordern, an kühnen Wagnissen ihren Entstehungsgrund haben.
Es ist vielmehr weit eher das Gegentheil der Fall. Beim Hoff-
nungskauf, wie er gewöhnlich vorkommt, wird der Verkäufer, welcher
nicht erst die Existenz der Sache abwartet, sondern schon seine Hoff-
nung um einen möglicherweise zu geringen Preis veräußert, dazu
durch Noch, oder durch den Wunsch, zeitiger Geld zu anderweitigen
Unternehmungen zu erhalten und ähnliche Gründe getrieben, oder er
zieht es vor, das Sichere für das Unsichere zu nehmen, so daß ge-
rade das Verlangen, der Ungewißheit der Ereignisse zu entgehen, ihn
bestimmt; auch der Käufer wird den Preis nach der Wahrscheinlich-
keit des Ertrages, z. B. der Aerndte bestimmen, und wird die Ge-
fahr, den Grad der Unsicherheit des Gewinnes als Preis bestim-
mendes Moment mit in Betracht ziehen. Und wie die Verhältnisse
sich gestaltet haben und wohl überall gestalten werden, wo derglei-
chen Geschäfte als besondere Verkehrsformen Vorkommen, — und
dann bekommen sie eigentlich erst eine juristische Bedeutsamkeit —
wird der Versicherer oder Darleiher, welcher eine Gefahr mit über-
nimmt, einem großen Risico zu entgehen suchen, was schon durch
die gewerbsmäßige Betreibung, das Eingehen vieler solcher Ge-
schäfte, zum Theil bezweckt und erreicht zu werden pflegt. Es haben
die hieher gehörigen Geschäfte, die bei den.Römern noch, wie cs
scheint, weniger ausgebildet waren, sich bei uns gar sehr vermehrt;
vielfache Modificationen derselben sind entstanden; aber der Grund
davon ist weder in einem den Germanen eignen Hang zum Außer-
gewöhnlichen zu suchen, in jener schon von Tacitus beschriebenen
Spielwuth, und eben so wenig in einem der modernen Welt ange-
hörenden größeren Vertrauen auf Hoffnung oder der ihr eigenen
Sitte, vom ungewissen Ausgang eines Ereignisses etwas abhängig

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