Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

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Mada i:

§ 3. ' v
Livländisches Landrecht.
In dem gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts2g) ver-
faßten sog. mittleren Livländischen Ritterrecht finden wir folgende,
Unfern Gegenstand betreffende Bestimmung:
R. R. Kap. 91. Welck man dem andern syn gudt deit tho
beholdende, werdt ydt em gestolen, edder gerouet edder vor-
brant, edder stervet he, effte es vee is, he darff dor nene not
vmb liden, dar he syn recht tho don, dat ydt ane syne schult sy.
Diese Stelle ist wörtlich aus dem Sachsenspiegel ^") entlehnt.
Das Ritterrecht verlangt also, wie dieser, weder gleichzeitigen Ver-
lust der eigenen Sache des Depositars, noch unterscheidet es zwischen
entgeltlichem und unentgeltlichem Depositum. . Der Depositar hat
überall nur zu beschwören, daß sich die Entwendung, der Verlust, Un-
tergang u. s. w. der Sache, ohne sein Verschulden ereignet habe, und
bleibt dann von aller weiteren Verantwortlichkeit frei; gewiß die
einfachste und natürlichste Behandlungsweise des ganzen Rechtsver-
hältnisses. Desto detaillirtere Bestimmungen finden wir in den spä-
teren Livländischen Landrechtsentwürfen, und zwar zunächst in dem
v. Engelbrecht - Mengden'schen von 1643. Hierin wird
i) ausdrücklich zwischen fcern depositum, welches „vergeblich oder

ginnt, offenbar darauf hindeutet, daß das Vorangehende in gleicher
Weise von dem Beweis der Unschuld zu verstehen sey. — Der kurze
Zeit vor dem neueren Rügischen Stadtrechte verfaßte Meyer-Flü-
gel'sch e Entwurf (um 1650) verlangt ausdrücklich vom Depositar nur
die eidliche Erhärtung der Schuldlosigkeit am Verlust der fremden
Sache. Es heißt nämlich darin Pars II. Tit. 8. Art. 2.: „So ein
vertrawtes Guth wird gestohlen, oder abgeraubet oder verbrannt,
oder es -stirbt (wo es Vieh ist), kann der, welchem es vertrawet ist,
solches bei seinem Epde erhalten, daß der Schade ohne seine
Schuld geschehen sey, so ist er darumb nicht anzufechten, bevorab
da Er sein eigenes dabei ist verlustig worden".
29) Bgl. v. Bunge, Privatrecht, §. 5. S. 8.
50) Sachsenspiegel B. III. Art. 5. §. 5. vgl. oben Note 4. u. besonders
v. Bunge über den Sachsenspiegel als Quelle des mittleren u. um-
gearbeiteten Livländischen Ritterrrchts. Riga 1827.
31) Landrecht d. Fürftenthums Livland, von Engelbrecht von Meng-
de». B. H. Kap^ 28. §. 2—6. (noch ungedruckt).

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