Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

Verantwortlichkeit des Treuhänders. 139
Zweck der custodia statt, so fehlt es doch an der zweiten Grundbe-
dingung der Verantwortlichkeit für den casus, nämlich dem Vortheil
aus dem Besitze für den Inhaber. 5) Der Handwerker, denn
eine Sache zum Verarbeiten gegen Lohn übergeben worden, hat da-
durch nicht allein Vortheil, sondern zugleich die custodia re! über-
nommen, daher er selbst für den zufälligen Untergang der Sache einste-
hen muß ,4). 4) Das Commodat gewährt dem Commodatar zu-
gleich Vortheil, und verpflichtet ihn außerdem der Natur der Sache
nach zur custodia, daher auch zur praestatio periculi15). Demge-
mäß würde 5) der Depositar, wenn er für die Bewahrung der Sache
irgend einen Lohn empfängt, für den zufälligen Untergang der Sache
einstehen müssen, da bei ihm die beiden Voraussetzungen der prae-
statio periculi, Uebernahme der Sache zum Zweck der custodia und
Vortheil aus dem Besitze, Zusammentreffen.
Wenn nun als Resultat der bisherigen Erörterungen sich ergiebt,
daß beim entgeltlichen Depositum das deutsche Recht den Deposi-
tar selbst für den casus verantwortlich macht, das römische Recht
dagegen nicht, so entsteht die weitere Frage: welches von diesen bei-
den Prineipien da, wo Lübisches Recht gilt, in unserm Falle in sub-
sidium zur Anwendung zu bringen sey, da das Lübische Recht selbst
uns keine Entscheidung giebt. Me vius entscheidet sich in seinem
berühmten Commentar für die Anwendung des Römischen. Er
bemerkt lö) zu unserm Art. 1. »excipitur speciatün is casus, cum
merces vel salarium a depositario accipitur vel exigitur — tunc
arctius obligatur, non quidem de casu fortuito, quem nemo, nisi
sua ex conventione praestat, sed de levissima culpa; -— ratio est,
quod pecuniam accipiens pro cura et custodia ad exactissimam

14) Vgl. Lübisches Recht. B. HI. Tit. 8. Art. 16. "Wann einer ver-
dinget Gut vmb Lohn verleuret, so muß er demjenigen, welcher eS
ihm verdinget hat, widerschaffen, oder den billigen Werth davor.«
Vgl. Augsburger Statuten von 1226. Art. 213.
15) So versteht man wenigstens allgemein die schon im Sachsenspiegel
Bd. Hl. Tit. 5. Art. 4. vorkommenden und in die meisten älteren
Stadtrechte übergegangenen Worte: »svat man aver deme manne liet
oder sat, dat sal he vnverderft weder bringen, oder gelden na sime
werde.«
16) Me vius, Commentarius in ius Lubecense Lib. III. tit. Z. Art« 1.
Nro. 14.

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