Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

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Sternberg: Landsiedellehen.
4) geräth diese Klausel, wo sie sich in eigentlichen Landsiedel-
leihverbriefungen findet, meist mit dem sonstigen Inhalte derselben
in Widerspruch.
Nach den in Oberhcssen gebräuchlichen Verbriefungen pflegen
die Güter nämlich zwar meist nur auf eine bestimmte Anzahl von
Jahren ausgethan zu werden; aber in der Fassung dieser Bestim-
mung liegt regelmäßig auch ganz die Eigenthümlichkeit des Verhält-
nisses ausgeprägt, indem dieLeiheperiode nicht als römische Pacht-
zeit aufgefaßt, sondern damit ein Zeitpunkt festgesetzt wird, an wel-
chem die Leihe auf's Neue empfangen (gemuthet) werden soll;
wobei mithin ein erbliches Colonat-Recht des Beständers gar nicht
bestehen kann. — Jene Klauseln trügen aber offenbar das Bestre-
ben in sich, jene Leihejahre zu römischen Pachtjahren zu
machen lö).
Nach allem diesem Muß ich also annehmen, daß der Vorbehalt
der Wiedereinziehung zu eigenem Gebrauch den Landsiedelleih-
verhältnissen ursprünglich nicht eigen gewesen, sondern vielmehr
eine Anwendung der im römischen Rechte begründeten Befugniß
des Vermiethers, die Miethe wegen eigenen Bedürfnis-
ses aufzurufen (I. 3. Cod. de lob. cond.), enthalte.
Danach kann diesem Vorbehalte aber um so weniger Gewicht
beigelegt werden, als er dem sonstigen Inhalte der Leihebriefe durch-
aus zu widersprechen pflegt und nie praktisch geworden ist. —
Und in der That ist der Satz für die Praxis stets ein Gegen-
stand bitterer Verlegenheit gewesen. Denn setzt man den Charakter
der Landsiedelleihe darein: daß Wiedereinziehung zu eigenem Ge-
brauch dabei siattfinde; so macht man ja damit die Folge zum
Princip, ist also im einzelnen Falle, wo es sich um das Recht
der Einziehung fragt, so von Regeln verlassen, als man nur ftyn
kann.

18) S. z. B. die schon erwähnten in Lennes Cod. Prob, a-gedruckten
Urkunden, insonderheit Nro. 92.

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