Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

Landsiedellehen.

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kein Recht an dem fraglichen Grundstück zusteht, in einem zur An-
stellung der publizianischen Klage geeigneten Besitz sich befinden
würde, mithin die erhobene Klage schon aus diesem Grunde zur
Vernehmlassung mitzutheilen war;
außerdem aber dieselbe, insoweit sie auf den Erwerb des kläge-
rischen Rechts durch Verjährung gestützt ist, zur Eröffnung des
Prozesses schon deßhalb geeignet war, weil die Erfordernisse der
außerordentlichen Verjährung dargelegt worden sind, indem ins-
besondere zu Begründung des Besitzes, außer den angeführten
Handlungen, nicht noch eine weitere Substantiirung der Ausübung
eines Leihebesitzee erfordert werden konnte;
die Beschwerde mithin als gegründet erscheint".
Aus dem Gesagten ergiebt sich nun, daß der hauptsächlich von
Lennep vcrcheidigte Satz: wonach bei der oberhessische»
Landsiedelleihe eine Wiedereinziehung des Guts zu ei-
genem Gebrauch durch den Lehnsherrn statthaft, ja
sogar charakteristisches Merkmal derselben seyn solle:
alles rechtlichen Grundes entbehrt. Wohl hat man es hie und da
versucht, ihn praktisch in das Leben einzuführen; aber stets fruchtlos.
Gleichwohl läßt sich nicht läugnen, daß dieser Vorbehalt in man-
nigfachen Urkunden sich findet, und es ist deßhalb immer der Mühe
Werth, zu fragen, woher derselbe eigentlich stammt?
Carl in seinen kleinen Ausführungen *3) sucht uns zu zeigen,
daß derselbe mit dem Ueberzuge der ritterlichen Geschlechter in die
Städte Zusammenhänge.
In einem einzelnen Falle mag das vielleicht richtig seyn; daß
aber allgemein in diesem Vorbehalte ein besonderes, aus der deut-
schen Geschichte empor gewachsenes, Rechtsphänomen zu suchen ftp
— das möchte ich sehr bezweifeln, und zwar aus folgenden Gründen:
1) Unter dem eigenen Gebrauch des Gutes könnte doch
nur dessen selbst eigene Bewirthschaftung durch sog. gebrö-
dete Diener verstanden seyn.
Eine freie dienende Klasse, wie wir dieselbe in unfern heu-
tigen Dienstboten und Taglöhnern antreffen, gab's aber unter der
Herrschaft des Feudalweftns gar nicht. Die eigene Bewirthschaftung

13) Dieselben liegen mir leider nicht mehr zur Hand, und ich muß mich
deßhalb auf meine Exzerpte verlassen. -

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