Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

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Sternberg:
genstand seines Eigenthums, welches durch das an demFleg-
mabestande bestehende Obereigenthum des Lehnherrn nicht weiter
alterirt wird, als daß derselbe stets auf einen tauglichen Colonen
zu halten, und das Gut in den geeigneten Fällen an sich zu ziehen
berechtigt ist.
Abgesehen von der Abmeyerung wegen Pacht- und Zinsrück-
standes, richten sich diese Fälle stets nach der jedesmaligen Natur
des Verhältnisses; der Gebrauch giebt dafür die Norm ab, und ent-
scheidet namentlich darüber, ob und inwiefern das Recht des Be-
ständers außer der Vererbung auch der Veräußerung unter-
worfen sey.
Will man aber den deutschen Gebrauch als Rechtsquelle nicht
anerkennen, so müssen wir dann freilich zu den Lehren des römischen
Rechts von der Gewohnheit oder Verjährung unsere Zuflucht
nehmen; werden damit aber m. E. ziemlich auf dasselbe Resultat
kommen.
Denn fassen wir die Besitzungen der Adlichen in ihrem alten
Charakter als Herrschaften auf, so steht dann der Entstehung
eines Gewohnheitsrechts darin für gleichartige Verhältnisse so we-
nig etwas entgegen, als wenn in einer bestimmten Gegend bei
gleichartigen Verhältnissen eine Norm als Recht befolgt ist. — In
jedem Falle aber würde durch Verjährung ein dem Gebrauch
entsprechendes Verhältniß gerade dann um so unzweifelhafter be-
gründet werden, wenn in diesem Gebrauch, z. B. bei gegen den
Inhalt der Leihebriefe vorgenommenen Veräußerungen und Veran-
schlagungen, ein factum contradictorium gegen die Leihebriefe liegt.
Welchen Grundsätzen das Oberappellazions-Gericht zu Kassel
in dieser Beziehung huldigt, das mag nothdürstig nachfolgender auf
eine Ertrajudizial - Appellazion erfolgter Ausspruch vom Sten Sept.
1841 Nro. 7092 darthun:
„in Erwägung
daß nach der in der Klage enthaltenen Behauptung das fragliche
Hofviertheil dem Kläger von seinen Eltern durch Anschlagsvertrag
vom 20sten Mai 1811 angesetzt und hierauf die Belehnung durch
den Stammältesten der Familie N. N. am 19. Juni 1826 erfolgt ist;
Querulant auch seither das fragliche Grundstück im Besitz ge-
habt, insbesondere dasselbe beackert und beerntet hat, hiernach aber
' Querulant dem Querulaten gegenüber, welchem, angeblich überall

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