Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

baiidsiedellehen.

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nes ganzen Rechtslcbens zusammen, nämlich, daß alles Recht vom
Boden ausgehe. Die Menschen selbst sind gleichsam Pflanzen des
Bodens, und haben, wie die Pflanzen, dort ihre Heimath.
Darum ist die Erblichkeit dieses Colonatrechts in der Fa-
milie allgemein üblich geworden; die Qualität des Guts „Land-
sied ellei he" bleibt immer dieselbe, und eben darum das Rcchts-
verhältniß des darauf gesessenen Colonen dem Gutsherrn gegen-
über; aber die Personen dieser Colonen wechseln; der Sohn tritt
an die Stelle des Vaters, der Enkel an die des Großvaters und
das muß so seyn, weil sie ja auf diesem Gute geboren und ge-
zogen sind.
Danach lag es nun sehr nahe, auch die Uebertragbarkeit
des Colonatrechts auf Fremde für möglich zu halten. Was gieng
es denn den Gutsherrn an, wenn ein anderer Colon auf das Gut
kam, dafern er nur im Stande war, dasselbe ordnungsmäßig zu
bewirthschaften, und solchergestalt der Gutsherr am Gut keinen
Schaden nahm; die Qualität des Gutes, mithin das dadurch be-
gründete Verhältniß des Colonen zum Gutsherrn blieb ja unverändert.
In der That hat sich daher, wenn ich den Satz auch nicht ge-
rade durchweg als Regel behaupten will, sehr häufig außer der Erb-
lichkeit auch die Veräußerlichkeit des Colonatrechts Bahn
gebrochen.
So sieht es also in dem Kopfe des Bauern aus: „dem Guts-
herrn gehört das Gut, aber der Colon dem Gute an, und
weil er ihm angehört, so erfreut er sich aller für das Gut, und
die darauf lebenden Anbauer begründeten Rechte. Hat also der
Sohn sein Colonatrecht vom Vater geerbt, so erbt es auch der, En-
kel vom Sohn, und ist das Colonatrecht früher durch Kauf an einen
Dritten übergegangen, warum sollte es nicht auch der Dritte wie-
der veräußern können"!
Es soll mir zwar lieb seyn, wenn ich eines Anderen belehrt
werde, ich glaube aber den Geist des Bauern genau genug zu ken-
nen, um vor einem entschiedenen Fehlgriffe gesichert zu seyn.
Wenigstens habe ich mich bemüht, seine Gedanken pure abzuschreiben.
Halten wir nun diese Idee des Bauern fest, so werden wir
bei Bestimmung des Objekts seines Rechts nicht leicht fehlgreifen.
Dieses ist aber die durch die Bebauung dem Gute gegebene Nutz-
barkeit, das Gebesserte, die Oberbesseruug. Diese ist Ge-

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