Full text: Volume (Bd. 8 (1843))

124 Sternberg:
Pflichten, namentlich zu unterthäniger Treue und kriegerischer Folge,
knüpfte.
Wollen wir uns nun ganz Ln den Geist des Bauern bei dem
Landsiedelleihverhältnisse hineindenken, oder besser gesagt fühlen,
so müssen wir zunächst
1) das betreffende Grundstück selbst als ein mit der Land-
siedelleihqualität begabtes auffassen, und hiervon
2) das Recht auf die Bebauung des Gutes trennen.
Das Eigenthum des Grundstücks macht der Bauer in
seinem Sinne dem Gutsherrn nicht streitig, nur daß er ihn nicht
für befugt hält, die Qualität des Grundstücks zu ändern"). Die
ist bestimmt von Alters her.
Danach erkennt er nun zwar auch an, daß er das Grundstück
von dem Gutsherrn zu Lehen trage; dieses Äuslehnen ist dem-
selben aber auch durch die Qualität des Gutes Pflicht. Der
Bauer betrachtet daher die Wiederbelehnung nicht als eine ihm
widerfahrene Vergünstigung, sondern'als eine sich von selbst ver-
stehende Pflicht des Lehensherrn; hält sich dagegen aber auch ver-
pflichtet, in Beziehung auf das Grundstück „den Lehensherrn
vor Schaden zu warnen". Redensarten, wie die: „ich muß
den Schaden desStifts warnen", „das ist Lehnland, da-
für bin ich dem Stift verantwortlich" kommen nicht minder
oft vor, als die: „das Stift muß mich vor Schaden hüten rc."
Auch ist regelmäßig bei dem Bauern noch ein Gefühl vorzugsweiser
Ehrerbietung gegen den Gutsherrn zu Hause, so daß er namentlich
ungern gegen ihn klagend auftritt.
Es ergiebt sich hieraus, daß die Lehen streue in ihrer wech-
selseitigen Beziehung dem Bauern noch viel geläufiger ist, als dem
Gelehrten, obgleich ihr eigenthümlicher Kern verloren ist.
Fragen wir aber nach dem Rechte, das der Bauer sich selbst
an dem Gute zuschreibt, so ist dieses eben das Recht der Be-
bauung, des Colonats.
Aber dieses Recht leitet der Bauer nicht von dem Lehens-
herrn ab; seine Vorstellung hangt wieder mit der Grundidee sei-

12) Nach dieser Auffassung würde denn die Veräußerung des Guts
dem Gutsherrn zwar unbenommen sepv, dadurch aber an dem Ver-
hältnisse des Colonen zum Gut nichts geändert werden.

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