Full text: Themis <Göttingen> (N.F. Bd. 1, H. 3 (1841))

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des Wäfferlaufes.
nicht verlangen, daß wir unsere Seite reinigen sollen; jedoch
müssen auch wir die von ihm selbst zu beschaffende Reinigung
auf sein Verlangen gestatten 2s»).
Ist nun aber durch Werke von Menschenhand jene natür-
liche Drdnung mehr oder minder verändert, so erleiden die
obigen Grundsätze auch nothwendige Modlficationcn. — Hier-
hin gehört zunächst der Fall, daß der obere Nachbar auf sei-
nem Grund und Boden einen Graben gezogen hat, durch
welchen dem untern Nachbar das von ihm aufzunchmende Re-
genwasser zugeführt wird. Da nun der obere den natürlichen
Lauf des Regenwassers nicht zum Nachthell des untern Eigen-
thümers verändern darf; so versteht es sich von selbst, daß er
den von ihm gezogenen Graben rein halten muß, sobald wi-
drigenfalls derselbe dem Nachbar nachtheilig werden würde.
Auch genügt hier nicht die bloße Prästation der Patientia,
sondern es muß der obere Nachbar selbst seinen Graben reini-
gen , mag es ein alter Graben seyn, oder nicht; da auch im
erstem Falle das Alter ihm kein Recht gibt, durch unterlassene
Reinigung des einmal gezogenen Grabens dem Nachbar auf
eine schädlichere Weise das, Wasser zuzuführen 291). — Dassel-
be gilt, wenn Jemand auf fremdem Grund und Boden kraft
einer Servitut einen Graben gezogen, oder durch Vetustas
an demselben eine QuasiServitut hergebracht hat. Da auch
hiedurch die natürliche Lage verändert worden ist, so bat der
Grundeigenthümer und jeder durch den Graben in Beziehung
auf den Lauf des Regenwaffers bedrohte Nachbar das Recht,

290) Idem, I. 2 eit. §. ,2. krneteren Zi in conlinio fossa sit,
neque purgari vicinus patiatur eam partem, quae tibi acce-
dat, posse te magis agere aquae pluviae arcendae La-
beo ait.
291) Idem, 1. 2 cit. §. 4: Apud Atejum vero relatum est,
eam fossam, ex qua ad inferiorem fundum aqua descendit,
cogendum esse vicinum purgare, sive extet fossae memoria,
sive non extet $ quod et ipse puto probandum.

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