Volltext: Band (N.F. Bd. 1, H. 1 (1838))

von Pactum und Jus.

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obtinent, wohin auch die UsualJnterpretation und das Ge-
wohnhestsrecht überhaupt gehörten, im Allgemeinen angeord-
net hatten, oder was im Einzelnen in Gemäßheit dessen auto-
nomisch festgestellt worden war^). Eine Folge dieses engern
Begriffes von Jn§ war der weitere Begriff von Factum, in-
dem nunmehr auch alles, was nicht Jus im engern Sinne,
war, als Factum erschien, daher insbesondere das gesammte
Jus praetorium, fo wie auch das Jus naturale et gentium,
insofern es nicht die volle Anerkennung des Jus civile erlangt
hatte, und daher dem Rechtsschutze nach nur dem Jus praeto-
rium angehörte19).
Um diese ergenthümliche Erscheinung vollständig zu begrei-
fen, müssen wir erwägen, daß im altern Rechte zur Zeit der
Legis actiones die lebendige Fortbildung des CivilRechts

18) Daher sagt Papinianus, lib. 2 definitionum, 1. 7, pr. D.
1, 1: »Jus autem civile est quod ex legibus, plebisscitis,
senatusconsultis, decretis principum, auctoritate prudentum
venit;« ohne daß er der, unter den Quellen des Jus scriptum sonst
mitgenannten Ldicia magistratuum gedenkt. Vielmehr stellt
er dem Jus civile das Jus praetorium gegenüber. — Imgleichen
erklärt sich hieraus der Ausspruch des Ulpianus, lib. 16 ad
edictum, 1. 9. D. I, 3, de legibus, SCtis etc.: »Non
ambigitur, senatum jus facere posse;« so wie desselben, lib. 1
de officio Proconsulis, 1. 33. D. 1, 3 »Diuturna consuetudo
pro jure et lege in bis, quae non ex scripto descen-
dunt, observari solet «
19) Paulus, lib. 3 ad edictum, 1. 27, §. 2. D. 2, 14, de
pactis: »In stipulationibus jus continetur, in pactis
factum versatur;« ungeachtet die Heilighaltung der Vertrage nn
Jusnaturale et gentium begründet war; weshalb Ulpia-
nus, lib. 4 ad edictum, 1.1, pr. D. 2, 14, zur Rechtfertigung
des prätorischen Edictes de pactis anführt: »Hujus edicti
aequitas naturalis est. Quid enim tam congruum
fidei humanae, quam ea, quae inter eos placue-
runt, servare!« Und dennoch: »In paetis factum ver-
satur.« —

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