Full text: Volume (N.F. Bd. 1, H. 1 (1838))

von Factum und Jus.

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eine ersprießliche Rechtsbildung fordernd, und daher Quae-
stiones juris unb facti, so wie Juris und facti
ignorantia wohl unterscheidend 9). Dem Gebiete des
Factum in diesem Sinne des Wortes gehört nun vor allem
alles menschliche materielle Interesse, die Utilitas, an9),
und zwar sowohl Damni ratione, wo Schaden und Gefahr
für das bereits erworbene Gut zu befürchten sind, als Lu-
cri ratione, wo Gewinn und Vortheile sich in Aussicht stel-
len n>); imgleichen sowohl als Gemeinbestes, als publica
utilitas der gesammten Genossenschaft, wie qls Privat-
Nutzen Einzelner, als privatorum utilitas u). In allen
diesen Beziehungen hat nun aber die Utilitas, ungeachtet sie
in facto beruht, dem Gebiete der Natura angehört, dennoch
den 'größten Einfluß auf Begründung und Fortbildung des
Jus. Auf die Bestimmungen des Jus naturale und gentium
hat freilich die Utilitas keinen Einfluß, indem jene auf den
bei allen Völkern und zu allen Zeiten im Wesentlichen gleichen
Grundsätzen der Honestas und Aequitas naturalis beruhen,
wohl aber auf ^>as Jus civile, welches ebendeshalb, da die
Utilitas höchst mannigfach und nach Zeit und Ort verschieden
ist, den individuellen und wechselnden Bestandtheil des gelten-
den Rechtes bildet n). Freilich bestimmt sich der Grad und

8) Cf. I. 16. v. 1, 8; 1. 11, §. 12. D. 48, 5; 1. 79, §. 1. v.
5, 1} u. D. 22, 6, de juris et facti ignorantia.
9) Paulus, lib. 5 ad Sabinum, 1. 24. D. 50, 17: »Quatenus
cujus interest, in facto, non in jure consistit.«
10) Ulpianus, lib. 27 ad edict», 1. 2, §. 8. D. 13, 4, de
eo, quod certo loco dari oportet.
11) Ulpianus, lib. 68 ad edictum, 1. 2, §. 2. D, 43, 8,
Nequid in loco publico vel itinere fiat: »Et tam
publicis utilitatibus, quam privatorum-per hoc prospi-
citur.« Etc.
12) §. 11. 1. 1, 2, de jure naturali, gentium et civili:
»Sed naturalia quidem jura, quae apud omnes gentes per-

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