Full text: Themis <Göttingen> (N.F. Bd. 1, H. 1 (1838))

114 IV. Aarons, über den Beweis.,
von solcher Vermuthung, nach allgemeinen Rcchtsgründen ge-
troffen haben würde. So wie es nun keinen Zweifel leidet,
daß, wer sich auf Zahlung beruft, selbige im Leugnungsfalle
beweisen muß>°), so muß diese Beweislast auch denjenigen
treffen, welcher agendo oder excipiendo mehrfache Zahlung
behauptet. Als Beweismittel hiefür mag er sich freilich der
in seinen Händen befindlichen mehrfachen Quitungen bedienen,
aber vqn ihrer, mehr oder minder, genau bestimmten Fassung
muß es erst abhangen, inwiefern dieser Beweis erbracht ist
oder nicht. . ■ '
Genau betrachtet laßt sich aber in dem obigen Falle nicht
einmal eine — auf die Beweislast ohnehin nicht influirende—
bloß faktische Vermuthung für doppelte Zahlung aufstellen.
Denn zugegeben auch, daß nicht leicht ein sorgsamer Mann
doppelte Quitung über dieselbe Zahlung ausstellen werde, ohne
wenigstens die spatere mit der früheren in Verbindung zu
fetzen; so wird doch gewiß noch weit seltener der Fall ein-
treten, daß ein sorgsamer Mann dieselbe Schuld doppelt oder
sonst zuviel zahlen wird. Denn die Zahlung setzt ihrer Natur
und der Erfahrung zufolge, weit mehr Vorbedacht und Uebcr-
legung voraus, als die Ausstellung einer Quitung, welche
man sich zunächst nur als Beweis der getilgten Schuld zu den-
ken gewohnt ist und zu deren wiederholter Ausfertigung man
folglich mehr im Vertrauen auf Treu und Glaube des Schuld-
ners und ohne grade einen künftigen Mißbrauch zu argwöhnen,
sich verleiten lassen wird. Von jenem Erfahrungssatze geht
aber auch die L. 25. pr. D. de probat, wirklich aus, wenn
sie gradezu eine Rechtsvermuthung für die Schuldigkeit der
Zahlung und folglich gegen die Supposition einer Zuvielzah-
lung stabilirt.
4) Aus der L. 1. C. de apoch. publ. (10, 22) ergibt
sich aber endlich noch ein direktes Argument dafür, daß die

16) L. 1. C. de prob. (4, 19); L. 25. C. de solut. (8, 43);
Iu 10. C. de n. n. pec. (4, 30). ' ,

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