Full text: Volume (Bd. 15 (1855))

426

Köstlin:
wohl noch besonders hervorgehoben, daß es der Vogt und die
Schöffen gehört haben, resp. haben hören fönnen281).
8. 15. Milderungs- und Strafaufhebungsgründe.
Der natürlichste Grund, die Strafbarkeit der Injurie zu mil-
dern, liegt in einem vorangegangenen Benehmen des Beleidigten,
wodurch der Thäter gereizt wurde, sie zu begehen. Nichtiger an-
gesehen, liegt hier freilich kein Strafmilderungsgrund, sondern eine
geringere Schuldstufe (impetus, dolus repentinus) vor282). Was
aber das jedenfalls gleiche praktische Resultat, die geringere Straf-
barkeit der im Affekt verübten Beleidigung betrifft, so ist dieses
wiederum schon im ältesten germanischen Rechte zu finden, wo von
einer Einwirkung des römischen noch keine Rede sein konnte.
Zum Beweis ist an die oben angeführten Stellen aus dem
longobardischen und mehreren nordischen Rechten288) zu erinnern.
Derselbe Gedanke kehrt aber auch in mittelalterlichen Rechten wie-
der. So besonders in den Gosl. Stat.
We deme anderen mid frevele in torne mid hastmude
sunder vor sate wat dede edder up on spreke edder
betege, dat om an syn liff ere unde gude gerochte ginge,—
unde sek vorsate dar ane entleddigen wolde. ...284)
wodurch die Bestimmung der Hamb. Stat. 1270. XII. 13 er-
läutert wird288); ebenso in Bair. Landr. 1346. Art. 60.
. Spricht aber der antwurter: die red han ich in zorn getan
ungevaerlich... m)

IV. 415. Münchn. Stadtr. Art. 277. Memming. Stadtr. bei
Freyb. V. 280. 281. Lüneburg. Stadtr. Art. 1. 86 (Dreyer
Nebenst. S. 362. 392). Brünner Schöffenb. nr. 248 — 250.
Nordhäus. Stat. 1300. Art. 97. 1308. Art. 83 (F. III. 1. S.56.
III. 2. S. 17).
281) so z. B. Hamb. Stat. 1270. IX. 1, 1. Lagerb. von Löchga«
bei Reyscher S. 271.
282) s. mein System der deutsch. Straft.
283) Lä. Roth. c. 198. 384. vgl. Wilda S. 793. nr. 1.
284) Gosl. Stat. S. 91, 24—29.
285) vgl. Stadtr. von Rüden Art. 31 (Seib. II. 77).
286) vgl. Art. 61. Fr ei sing. Stadtr. bei Freyb. V. 175.

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