Full text: Volume (Bd. 15 (1855))

388

Köstlin:
rung derselben bestimmt gesondert und sür den ersteren der Satz
ausgesprochen, daß Sachfälligkeit an sich noch nicht zu Buße und
Wette verpflichte. So namentlich in den Rechtsbüchern ^); aber
auch sonst; z. B.
Vordert he aver syne clage na rechte, so blifft he des ane
schaden, wente eyn mynsche mit syne noed wol clagen95),
Indessen gilt der Satz nicht ohne Unterschied. Nach dem
sächs. Landr. tritt Buße und Wette ein, wenn der Kläger den
Beklagten kämpflich angesprochen hattet). In der kämpflichen
Ansprache lag nämlich stets die Beschuldigung der Lüge9?). Ein
anderer Gesichtspunkt tritt anderswo bestimmend vor, — der der
culpa, des muthwilligen oder frivolen Klagens im Gegensatz zu
der in gutem Glauben erhobenen Klage. Besonders ersichtlich
wird dieß im Rechte von Goslar. Mehrere Stellen setzen hier
(wie das lübeck. und Hamburg. Recht) Buße und Wette noch über-
haupt auf das Sachfälligwerden"). Dagegen tritt (abgesehen von
dem, was unten über den Fall des dolus zu sagen ist) in zwei
Stellen der gedachte Gegensatz heraus. Einerseits heißt es: #
We enne schüldighet vor gherichte dat he ene gherovet
hebbe, ne mach he des nicht vullenkomen, he ne darf dar
umme nicht buten noch wedden").
Eine andere Stelle sagt:
Ropt en dat gheröchte in bolghenem mode to Unrechte
over enne, dar mot he umme deme voghede wedden unde
94) Sächs. Landr. H. 8 j. I. 62, 4. 53, 1. Richtst. 21. 26. 34. 47.
Schwäb. Landr. c. 80. 115. I. Rb. nach Di st. IV. 31. 2. 3.
95) Salzwedel. Stadtr. 1273. Art. 57 (Förstmann IV. 1. S. 93).
96) Sächs. Landr. I. 51,5. 62, 4. II. 8. Rsb. nach Dist. IV. 31, 3.
Schwäb. Landr. o. 79. III. s. Meine Schrift: der Wendepunkt,
S. 272.
97) Sächs. Landr. I. 63, 4. Görl.R. 1304.Art. 137(GauppS.318)
vgl. Schwäb. Landr. c. 79. II. III. 226. 314. III., wo über den
Zweikampf eine andere Ansicht herrscht.
98) GoSl. Stat. S. 76, 3-16. vgl. S. 46, 8-12. 87, 26-28.
Bruns Beitr. S. 240. »r.29.
99) GoSl. Stat. S. 87, 40—42. Wenn Göschen S. 333 eine Va-
riante vorzieht, die keinen rechten Sinn gibt, ist dieß gewiß nicht am
Platze.

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