Full text: Volume (Bd. 15 (1855))

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Die Stände des Sachsenspiegels.
Wie gesagt, bei Annahme unserer Ansicht, bei der wir auf den
Besitz von Eigen nicht das Hauptgewicht legen, kann eine solche
Schwierigkeit nicht eintreten: das Hantgemal erbt ungetheilt
fort und der Stand wird auch ohne Eigenthum weiter
vererbt.
Ganz dasselbe, was bisher über III. 81. §. 1 gesagt ist, gilt
auch für I. 2. §.2, welche Stelle für die entgegengesetzte Ansicht
geltend gemacht wird.
ve scepenen (sc. solen süken) des greven ding ... Leget
man aver en ding ut um ungerichte . . ., dat solen se
süken .... Hir mede hebbet si vorvangen ir egen
jegen den richtere, dat it alles dinges ledich von ime is.
Auch hier heißt es nur von den Schöffen, daß sie Eigen besitzen,
nicht von allen Schöffenbaren.
Eine interessante Parallele für diesen Unterschied von Schöffen
und Schöffenbaren bieten auch die Verhältnisse von Cöln dar:
hier werden immer Seabini et scabinorum fratres, Senatores et
senatorum fratres neben einander gestellt und noch von den potiores
cives unterschieden 6t), d. h. also die Schöffen und die Angehö-
rigen der Familien, aus denen Einer oder Mehrere das Schöffen-
amt zu bekleiden pflegten. Dadurch, daß das Amt in ihren Familien
gewissermaßen erblich war, nahmen sie bald auch eine bevorzugte
Stellung ein. Ich glaube kaum, daß man die Scabinorum fratres
mit Hegel für „Beisitzer, welche damit zugleich die nächste
Antwartschaft auf das Schöffenamt selbst verbanden" erklären darf.
Faktisch mag diese Erklärung den Verhältnissen entsprechen 63); der
Nachdruck liegt aber auf der Familie.
Auch der Gegensatz der Verhältnisse in den Marken verbreitet
Licht über die Verhältnisse in Sachsen. Der Sachsenspiegel stellt
61) Lacomblet Urkundenbuch für dieGesch. des Niederrheins 1. n. Z99. a.
1159; n. 464. a. 1178; II. n. 465- 469. a. 1259.
62) Geschichte der Städteverfassung von Italien II. S. Z96.
63) Da sich in Cöln die Schöffen durch Cooptation ergänzten, so war es
natürlich, daß sie die neuenMitglieder nur aus den Familien wähl-
ten, denen sie selbst angehörten, und daß so innerhalb der Gemeinde
der Altfreien eine engere Innung der Schöffenbarfreien entstand. Bgl.
auch Arnold VerfaffungSgeschichte der deutschen Freistädte 1854. I.
S. 404.

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