Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 15 (1855))

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Erbverzichte der adelichen Töchter.
experientia rerum NaZistra, selbsten gezeigt, daß der Ritterliche
Mannsstamm, da die Töchter zugleich und ohne Unterschied
wider die uralte Observanz, sonderlich nach der ausgestandenen
Kriegsruin, mit demselben erben sollten, nicht lange bestehen
und nothwendig zu Grund gehen müßte: also ist die freie R.-R.
nicht unbillig verursacht worden, auf ein ander Mittel und ex-
peäisns zu gedenken, zu welchem End selbige sich bei unter-
schiedlich gehaltenen Rittertagen einer gewissen Ordnung und
Statuti, wie es der adelichen Töchter erblicher Snccession hal-
ber hinfür gehalten werden solle, dergestalt beredt, verabschiedet
und verglichen, wie E. K. M. ab der Beilag agst. zu ver-
nehmen haben, daß der supplicirenden Ritterschaft Intention,
Will und Meinung nicht ist, mehrbemeldte ihre Descendenteu und
Collateral-Erbschaft ganz auszuschließen und mit leerer Hand
abzuweisen, sondern es würdet ihnen bei solchem Statuto über
die nach Standesgebühr bis zu ihrer Ausfertigung reichende
alimenta ein ziemlich billigmäßiges Heirathgut und Ausfertigung
nach ihrer Eltern oder Freundschaft Erkanntnuß und Gutbe-
finden verordnet. — Am Andern seind und verbleiben sie un-
gehindert dieses statuti auch dessen fähig und theilhaftig, was
ihnen von gedachten ihren Eltern, Brüdern, Schwestern, Be-
freundten oder auch Fremden inter vivos oder durch letzten Wil-
len gegunnt, verschafft, vergabt und überlassen wird. — So
werden LIiae Mobiles von den Väter-, Mütter - und brüderlichen
Erbschaften allein bis auf ein ledigen Anfall und auf den Ab-
gang der von ihren Brüdern absteigender Männlichen. Linien
Posterität suspendirt und ihnen und deren Erben und Nach-
kommen in eum eventum et in defectum lineae masculae die
erbliche Nachfolg und der Regreß zu derselben ausdrücklich Vor-
behalten, adeo ut a successione non exclusae sed suspensae
tantum esse dicantur. — Kann auch nicht gesagt werden, daß
sie ihres Pflichttheils oder legitimae durch berührtes Statut und
Satzung privirt und beraubt seyn müssen, weil ihnen an deren
Statt die billichmäßige Dotation und Aussteuerung ausgefolgt
und erstattet, auch die freie dispositio durch letzten Willen nicht
entzogen wird. Und obschon das Heirathgut und Heimsteuer
der legitima nicht allezeit gleich, wie selbige auch bei den renun-
eiationibus so hoch nicht gesetzt worden, so kann doch die legi-

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