Full text: Volume (Bd. 15 (1855))

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Wild a:

hat, so erhalten die unechten Kinder nicht mehr als einen
halben Antheil, im Verhältniß zu den echten Kindern (ey
wer an halvan lot widar äthalkonu barn)“ 119).
Nachmals war eine solche Zuwendung auf den Todesfall auch
gestattet, wenn echte und unechte Kinder zugleich vorhanden wa-
ren. Diesen Fall hatte der Verfasser des seeländischen Rechtes,
welches König Erichs (Menved) Namen trägt, vor Augen:
„Begiebt es sich, daß ein Mann einen unechten Sohn hat,
und will er, daß er Erbe (erbfähig) werde, so soll er zum
Dinge gehen, und ihn da als seinen Sohn erklären (lysae
banum tbssrrae til sön); und hat er Land, so soll er ihm
dieß auflassen, doch nicht mehr als einen halben Theil gegen
seinen echten Sohn. Ist es aber eine, unechte Tochter, so
mag er ihr nicht mehr geben als ein Viertel gegen das, was
ein rechter Sohn empfängt, und die Hälfte weniger als eine
echte Tochter; beides an fahrende Habe oder an Land (ba-
lbae i fae oc i jorth). ' Will er ihn (den unechten Sohn)
aber in andrer Weise eine Gabe thun, und kündigt er ihn
zu voller Geschlechtsgenoffenschaft (00 lyusaer tbaem til ful
fraendsumae), so behalte er das, was er erhalten hat, aber
erbt weder ihn (den Vater) noch dessen Kinder. Und läßt
der Vater ihm etwas (einen Theil seines Vermögens) auf
(eten sbötaer fatbaer banum) und nimmt er dann Theil an
dem Erbe seines Vaters (ob tabaer bau ark aeftsr banum),
so beerbt er, nachdem er seinen Vater beerbt hat, auch seine
Geschwister in gleicher Weise (aem lult), wie ein rechter Bru-
der (sum en ful brothaer) und die (unechte) Schwester (erbt)
in gleicher Weise, wie eine rechte Schwester" "9).
Der Sinn dieser verschieden gedeuteten Stelle scheint mir aber zu
sein, der Vater konnte den unechten Kindern durch eine Gabe von To-
des wegen einen Theil seines Vermögens zuwenden, doch nicht mehr
als die Hälfte von dem, was die echten Kinder erhielten. Doch
stand es ihm auch frei, bei der Anerkennung des unechten Kindes
dasselbe durch eine Gabe unter Lebenden, nämlich durch wirkliche

119) d. h. ein jedes unechte Kind erhält nur halb so viel als ein echtes Kind.
120) K. Erichs Siel. L. I. 16. Kolderup Rosenvinge, Recht-Hist.
tz. 94. not. d.

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