Full text: Volume (Bd. 15 (1855))

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Erbverzichte der adelichen Töchter.
lich sprach sich auch noch die Besorgniß in Betreff der nunmehrigen
Friedens-Unterhandlungen aus: daß, da man nit vorkomme und
es unterbauen würde, in puneto ReliZionis St Reformationis
Alles auf das Territorium gestellt, allein auf die hohe Obrigkeit
gesehen und der Ritterschaft in zentbaren Orten die Bestellung der
Kirchen ganz benommen werden möchte. „Da man Nachricht er-
halten hatte, daß des Herrn Reichskanzlers Ercellenz nit wenig
bewegt sei, weil derselben das verordnete Tractament von der
Ritterschaft bisher nicht erlegt worden", so wurde beschlossen, die
rückständigen Beiträge alsbald einzutreiben.
Die Reichsritterschaft hatte viele Freunde und Verbündete am
kaiserlichen Hofe, auch unter den fürstlichen Gesandten zu Regens-
burg und bei den Friedens-Unterhandlungen zu Münster und Os-
nabrück. So wurde denn die so eben berührte Gefahr wegen der
Friedensunterhandlungen glücklich abgewendet. Der westphälische
Frieden von 1648 erkannte die Reichsritterschaft unter dem Titel:
freier und unmittelbarer Reichsadel (libera et immediata Imperii
Nobilitas) als einen selbstberechtigten Stand des Reichs ausdrücklich
an, erstreckte auf dieselbe und ihre Besitzungen die Bestimmungen
des neuen Friedensschlusses; namentlich wurde das landesherrliche
Recht in Religionssachen (jus Reformandi) derselben ebenso einge-
räumt, wie den andern Ständen ,5).
Weniger gelang es mit dem projectirten Statut wegen Ab-
fertigung der Töchter, worauf insbesondere von der schwäbischen
Ritterschaft großer Werth gelegt wurde. Mehrere Entwürfe lagen
vor, welche nur auf die fünf schwäbischen Viertel gerichtet waren:
1) Copia statuti renunciationis foeminarum 8. d. mit dem Ein-
gang: Demnach bei dem zue Geißlingen den 2—12. Septembris
jüngsthin gehaltenen Ausschußtag rc. Es ist dieß die Abschrift eines
kurzen Entwurfs, welcher auf Grund des im Sept. 1651 bei dem

15) I. P. 0. Art. III. V. §. 28. Schon in dem Eingang zur schwäbischen
Ritterordnung von 1560 (bei Lünig, Reichsarchiv P. spec. cont. III,
S. 34) beschwerte sich die Ritterschaft unter Anderem über Einziehung
ihrer Voreltern geistlicher Lehenschaften. . Indessen machte die Ritter-
schaft in protestantischen Orten von dem Ins reformandi in Absicht
"uf die geistlichen Gefälle nicht minder Gebrauch, wie die Landesherrn,
und der westphälische Friede bestärkte sie in ihrem Anspruch daraus.

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