Full text: Volume (N.F. Bd. 1, H. 2 (1840))

der Testamente. 209
wclche auf dieselben kcinesweges verzichtet haben. Hier han-
delt es sich um wesentliche Interessen, und es kann da-
her nicht mehr von einer bloßen Subtilitas juris geredet
werden, welche zu Gunsten der Voluntas testatoris ex bono
et aequo beseitigt werden dürfe. —
Ebenfalls ergibt es sich von selbst, daß, wie sehr auch die
Aequitas der Voluntas testatoris zu Hülfe kommt, dieses
doch nie sich so weit erstrecken kann, daß die Mängel der Vo-
luntas selbst ex bono et aequo entfernt, der Wille fehlerfrei
reconstituirt werde, die Interpretatio überhaupt die Stelle der
Voluntas einnchme. Auch darf in Fällen eines offensichtlich
fehlerhaften Willens die Interpretation nicht aus den minder
rechtswidrig klingenden Worten das Testament aufrecht zu er-
halten suchen, da nicht bloß zu Gunsten, sondern auch zum
Nachtheil des Testators der Wille vor den bloßen Worten
berücksichtigt werden soll. Wie daher eine Erbcseinsctzung be-
gründet ist, auch ohne ausdrückliche Erklärung, sobald nur der
desfallsige Wille nachzuweisen ist, so kann auch eine Enter-
bung vorliegen, ohne daß die gewöhnliche Enterbungsformel
gebraucht ist, und es darf daher die Interpretation aus diesem
Umstande nichts zu Gunsten der Ausrechterhaltung des Testa-
mentes ableiten. Hierhin gehören auch die Worte Justi-
nians, 1. 3 C. 6, 28, de liberis praeteritis vel
exheredatis:
»Si quis filium proprium ita exheredavit: Ille
filius meus alienus meae substantiae
fiat, talis filius ex hujusmodi verborum concep-
tione non praeteritus, sed exheredatus in-
telligetur ; cum enim manifestissimus
est sensus testatoris, v erhorum in-
terpretatio nusquam tantum valeat,
ut melior sensu exis tat.«
Aus dem Angeführten ergibt sich nun auch von selbst, daß
wenn der Testator erweislich nicht den Willen hatte, einen
Verwandten zum Erben cinzusetzcn; die bloße Möglichkeit, die

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