Full text: Volume (N.F. Bd. 1, H. 2 (1840))

258 VIII. Elvers, über die Interpretation
sondern solennen Wortformen, welche für die Erbeseinsetzungen
und Legate im altern Rechte vorgefchrieben waren, im neuern
Rechte seit Constantin und Justinian weggefallen; allein
dadurch hat das Testament im Ganzen seine Bedeutung nicht
verändert. Ist daher auch die Art und Weise, wie der Te-
stator Jemand zur Erbschaft beruft, oder mit einem Bermacht-
niß bedenkt, jetzt gleichgültig, so müssen doch die betreffenden
Worte in dem solennist'rten Testamente stehen, wenn sie rechts-
kräftig fein sollen; indem der Wille des Testators nur in so-
fern er im Testamente niedergelegt und ausgesprochen ist in
Betracht kommt.
Bei dieser Lage der civilrechtlichen Willenshandlungen,
insbesondere der Testamente, ist der Richter bei der Interpre-
tation zunächst und vorzugsweise an die Worte gewiesen, und
es gilt der Grundsatz, wie er sich bei Paula«, lib. I ad
Neratium*), ausgesprochen findet:
»Cum in verbis nulla ambiguitas est, non debet
admitti voluntatis quaestio.«
Auch darf im Einzelnen der Wortsinn nicht eher verlassen wer-
den, als bis aus dem Gefammtinhalte der Urkunde sich die
abweichende Voluntas entschieden ausgewiesen hat; wie Mar-
cellus, lib. singul. responsorum 4 5), bemerkt:
»Non aliter a significatione verborum recedi
oportet, quam cum manifestum est, aliud sen-
sisse testatorem.«
Eben weil die Voluntas testatoris aus dem Gefammtinhalte
des Testamentes nachgewiesen werden muß, und in so fern
aus den Worten des Testamentes hervorgeht, widerstreitet
es dem obigen Grundsätze nicht, wenn einzelne Worte unbe-
achtet bleiben, oder mit ihrem Wortft'nne dem anderweitig er-
kannten Willen untergeordnet werden; weshalb aber auch vom

4) L. 25, §. 1. D. 32, de legatis III.
5) L. 69 pr. 0. 32.

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