Full text: Volume (Bd. 2 (1892))

4.2. Dr. Hubrich, Das Recht der Ehescheidung in Deutschland

Literatur.

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baf$ verschiedentlich die Ausführungen und Begründungen des Herrn Vers, auf Sätzen des
preußischen Rechts beruhen, die mit den sächsisch-rechtlichen nicht allenthalben übereinstimmen,
lz. B. S. 11 flg. unter a, S..30 flg. unter 3, vergl. B.G.B. 8 1316).
Die Beispiele, welche den Inhalt des dritten Theiles bilden, würden wir jetzt für ent»
behrlich halten, sie sind übrigens nicht überall bezüglich der Richtigkeit ihres Inhalts unbe-
denklich, hier und da decken sie sich mit den eigenen Ausführungen des Herrn Verf. im syste-
matischen Theile nicht vollständig.
Würde auch das Buch durch eine Vervollständigung in der von uns oben bezeichneten
Richtung an wissenschaftlichem Werthe wesentlich gewinnen, ja erst dadurch für die Behand-
lung der Einzelfragen eine rechte Grundlage geschaffen werden, wäre vielleicht auch eine et-
was ausgiebigere Berücksichtigung der Rechtsprechung der Landesgerichte zu wünschen, so bietet
das Werk doch des Guten sehr viel und wir können es unfern Lesern bestens empfehlen.
Hoffmann.
Dt»s Recht dev Ehescheidung in Deutschland, von Dr jur. Eduard Hubrich.
Mit einem Vorwort von Vr. Philipp Zorn, o ö. Professor an der Universität zu
Königsberg. Berlin 1891. Verlag von Otto Liebmann. VHk und 279 Seiten.
Die. vorliegende Schrift giebt in ihrem Hauptheile (Buch I bis IV) eine umfassende
Darstellung des in den drei größeren Rechtsgebieten Deutschlands, — dem Gebiete des ge-
meinen Rechts, des Allgem Preuß. Landrechts und des Code Napoleon — geltenden Ehe-
scheidungsrechts. In einem besonderen Theile (V. Buch) wird sodann auf diejenige Regelung,
welche das Ehescheidungsrecht in dem Entwürfe eines- bürgerl. Gesetzbuches f. d. deutsche
Reich gefunden hat, einer eingehenden Besprechung unterzogen.
Das Werk, ist nach einer Bemerkung in der Vorrede eine Erstlingsarbeit, jedoch, wie
der Inhalt zeigt, eine recht fleißige und gewissenhafte. Namentlich muß es dem Verf. zum
besonderen Verdienste angerechnet werden, daß er es sich hinsichtlich des so vielgestaltigen
protestantischen Ehescheidungsrechts thunlichst hat angelegen sein lassen, den gesammten
Rechtsstoff sowohl in seiner geschichtlichen Entwickelung, als in seiner heutigen Gestattung klar-
zustellen und so dem Leser eine vollkommene Einsicht in dieses verworrene Rechtsgebiet zu
gewähren. Die in dieser Richtung reichhaltiges Material darbietenden Entscheidungen der
oberen und obersten Gerichtshöfe Deutschlands haben hierbei sorgfältige Berücksichtigung er-
fahren, was in gleicher Weise auch von der einschlagenden Literatur gilt.
. In manchen Punkten werden allerdings die Ausführungen des Vf. auf Widerspruch
stoßen. Es sei in dieser Beziehung gestattet, hier nur auf folgendes zu verweisen.
Gegen die herrschende Ansicht kennt der Verf. nur ein materiell, nichtein formell
gemeines kathol. und Protestant. Ehescherdungsrecht. Die betreffenden Scheidungsrechtssätze
sollen seiner Meinung nach nicht wegen einer und derselben juristischen Nothwendigkeit d. h.
nicht wegen eines allgemeinen, von einer übergeordneten Gewalt gewollten Gesetzes oder
Gewohnheitsrechts gelten, sondern nur um deswillen in Betracht gelangen, weil sie einen ge-
meinsamen, übereinstimmenden Inhalt haben (S. 9, S. 61 flg.) Wäre dies richtig, so würde
auch eine Abänderung des gemeinen Protestant. Ehescheidungsrechtes durch eine blos parti-
kuläre Praxis zulässig sein. Die Zulässigkeit einer derartigen Abänderung wird jedoch vom
Reichsgericht verneint, zu vergl. dessen Entscheidung in Eivils. I, S. 324, VII S. 154. Auch
scheint mir der Verf. in seinen Ausführungen S. 65 flg. zu dem richtigen Gesichtspunkte
zurückzukehren, indem er dort dem gemeinen Protestant. Scheidungsrechte zwingende unmittel-
bare Geltung für sämmtliche Territorien des gemeinrechtlichen Deutschlands ausdrücklich bei-
legt (s. namentlich S.,66).
Die Bestimmung des katholischen Kirchenrechts, wonach eine von der Kirche als gültig
anerkannte, jedoch noch nicht durch Hinzutritt der copula carnalis cpufummirte Ehe (matri-

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