Full text: Volume (Bd. 2 (1892))

Dreyer, Das Differenzgeschäft.

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würden sich dadurch unabänderlich an den Börsenpreis eines einzigen Tages, des
Stichtages, binden und sich der Möglichkeit berauben, in der Zwischenzeit einen
ihnen günstiger oder minder ungünstig erscheinenden Moment zur Beendigung
der Spekulation zu benutzen.
Diese Ausführung, deren Spitze gegen das oben angeführte Urtheil des
Reichsgerichts vom 19. Oktober 1887 (vergl. § 3 Anmerk. 9) gerichtet ist,
Wurde wegen der unten zu ziehenden rechtlichen Consequenzen ausführlich, mit-
getheilt.
Gegen Gareis und damit auch gegen sie bemerkt Ehrenberg,") daß nach
seinen an der Börse gewonnenen Erfahrungen er es als seine feste Ueberzeugung
aussprechen müsse, daß ein beträchtlicher Theil der an der Börse abgeschlossenen
„eigentlichen Differenzgeschäfte" nach dem allgemeinen Sprachgebrauche unzweifelhaft
unter den Begriff des Hazardspiels fallen müsse, unter den Begriff eines Spiels,
dessen einzig bestimmender Faktor der Zufall sei. Er glaube nicht, daß diese
Ansicht von Jrgendwem, der die Börse kennt, werde bestritten werden. Auch
Siegfried16) giebt soviel zu, daß es bei den Zeitgeschäften, bei welchen man der
Realabnahme resp. Reallieferung durch Abschluß eines entgegengesetzten Geschäfts
auf denselben Termin aus dem Wege gehen kann, sich für die Betheiligten stets
um die Differenz zwischen dem Ankaufs- und Verkaufskurse handeln werde, wie
dies namentlich bei Spekulationsgeschäften sehr gewöhnlich sei. Bei den Zeit-
geschäften, welche zum Zwecke der Spekulation gemacht werden, sei also die Absicht
der betreffenden Kontrahenten nur darauf gerichtet, die Differenz zwischen den
Kursen, zu welchen sie gekauft und verkauft haben, zu gewinnen. Aus der Form
dieser Geschäfte gehe jedoch diese Absicht keineswegs hervor. Die Geschäftsabschlüsse
seien durchweg von vornherein auf wirkliche Lieferung und wirkliche Abnahme ge-
richtet. Es werde (so wird beigefügt) lediglich durch das Interesse des betreffen-
den Kontrahenten bedingt, ob er das Geschäft durch ein entgegengesetztes Geschäft
kompensire und die beiden Geschäfte mittelst Empfang oder Zahlung von
Differenzen regulire. Die Erfahrung zeigt nun, daß eine große Anzahl von Ge-
schäften in der Form von Käufen und Verkäufen in solchen Mengen und von
solchen Personen abgeschlossen werden, in Bezug auf welche von vornherein an
reale Erfüllung gar nicht zu denken ist.
In der Verhandlung des deutschen Juristentags ist mitgetheilt worden, wie
ein junger Kaufmann es übernommen hatte, im Sommer 1880 für 4,500,000
Thaler Magdeburg-Leipziger Eisenbahnaktien zu liefern, während doch der ganze
Nominalwerth dieser Aktien nur 2,000,000 Thaler betrug. — Da stellte sich gewiß
Stückmangel ein ! In dem durch das Urtheil des R.O.H.G.'s vom 12. Juni
1874 (E. XIV. Nr. 89 S. 273) entschiedenen Falle war durch den Reisenden

• ") In der oben Amn. 1 eit. Schrift S. 46. .
• “) Saling'S Börsenp. Bd. I. 1892 S. 119, 114 u. Note.

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