Full text: Volume (Bd. 2 (1892))

Henrici, Stellung des Konkursverwalters. Z47
Schuldner bezw. die Konkursgläubiger durch seine Handlungen persönlich zu ver-
pflichten.")
Daß letzteres nach den Bestimmungen der Konkursordnung nicht an-
genommen werden darf, habe ich schon oben näher darzulegen gesucht.
Und im übrigen läßt ja auch die Konkursordnung darüber keinen Zweifel
auflommen, daß sie das Verwaltungs- und Versügungsrecht vom Konkursver-
walter nicht zur Wahrung der Rechte und Interessen des Gemeinschuldners aus-
üben läßt, sondern damit er zur Realisirung des Zwecks des Verfahrens, der
Befriedigung Gläubiger, in deren Interesse thätig werde.")
Ich würde damit diesen Abschnitt, der sich sich speziell mit der Stellung be-
schäftigt, welche der Konkursverwalter bei Ausübung des Verfügungsrechts ein-
nimmt, schließen, müßte ich nicht nunmehr aus die schon oben angedeutete von
Schultze a. a. O. vertretene Ansicht zurückkommen. Nach ihr wird der Gemein-
schuldner vom Konkursverwalter persönlich vertreten und durch seine Rechtshand-
lungen persönlich verpflichtet, aber aus der Natur und dem Inhalt des Konkurs-
anspruchs ergeben sich sowohl subjektive als objektive Schranken dergestalt, daß der
Konkursverwalter nicht die gesammte vermögensrechtliche Persönlichkeit des Gemein-
schuldners, sondern diesen nur insoweit vertritt, als dessen eigne Handlungen den
Konkursgläubigern gegenüber unwirksam sind, und daß der Umfang der aus den
Rechtshandlungen des Konkursverwalters dem Gemeinschuldner erwachsenen Ver-
bindlichkeiten sich bestimmt nach dem Umfang seines zur Konkursmasse gehörigen
Vermögens, vergl. S. 44 und flg.
Nun kann man Schultze immerhin darin beistimmm, wenn er das Wesen des
Konkurses S. 10 zurückführt aus den durch die Zahlungsunfähigkeit des Schuld-
ners begründeten Anspruch der zur Zeit der Eröffnung des Konkurses vorhandenen

“) Zu demselben Resultat wenn auch auf anderem Wege gelangt: Eccius in Gruchot's
Beiträgen Bd. 83 S. 786, Er gelangt nämlich dahin, es sei zwar richtig, daß die Konkurs-
masse keine subjectloses Vermögen sei; aber es sei die Maffe ein Vermögensinbegriff, bezüglich
deffen das Subject an der sonst dem Berechtigten zustehenden Befugniß deshalb behindert sei,
weil der Gegenstand zu einem bestimmten Zweck verwaltet werden solle. Man brauche des-
halb die Konkursmaffe nicht zu personifiziren, aber man müsse anerkennen, daß die gesetzlich
nach dem Willen des Verwalters zu führende Verwaltung dem Verwalter als solchem eine von
der Partei des Vermögenssubjects verschiedene Parteistellung gebe.
1S) Man kann Petersen a. a. O. S. 8 und 9 darin beistimmen: es ist mit einem Ver-
tretungSverhältniß nicht unvereinbar, wenn der Vertreter die Interessen des Vertretenen nicht
ausschließlich wahren darf, und es kann Vorkommen, daß ein Bevollmächtigter vertragsmäßig
verpflichtet ist, vorzugsweise die Jntereffen Anderer zu wahren. Allein immer bleibt dies
doch ein Ausnahmsverhältniß. Denn regelmäßig ist es Aufgabe des Vertreters für die Rechte
und Jntereffen des von ihm Vertretenen ganz und voll einzutreten und wo es nicht, wie
beim Bevollmächtigten von vornherein feststeht, daß er der Vertreter deS Vollmachtgebers ist,
sondern erst festgestellt werden soll, ob ein Vertretungsverhältniß besteht, da wird eS doch
immer als ein erhebliches Moment ins Gewicht fallen, wenn der Betreffende nicht so handeln
darf, wie er müßte, wäre er zur persönlichen Vertretung berufen.

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