Full text: Volume (Bd. 2 (1830))

370 XIV. Dähne, über Lid Lebensfähigkeit
Welches Weib ihr Kind, das Leben und Glied-
maß empfangen hätt, heimlicher, boshafftiger,
williger Weiß ertödtet, die wird gewöhnlich lebendig
begraben und gepfälet *). • ' _
Zn den Worten «welches Glicdmaß empfangen hakt" soll
Kas Requisit der Lebensfähigkeit liegen. Nach der bisher
bekannten Sprachweise der P.GD. scheint mir solche
Auslegung etwas Unerhörtes/ und ich 'kann mir dieselbe
nur daraus erklären, daß man die vermeintliche Bestim-
mung der Nöm. Gesetze hereingezogen, und demzufolge
eine Uebersctzung des pertectus partus oder pertecte
nstus in den fraglichen Worten der P.G.O. gefunden hat.
Sind unsere Bemerkungen über .die einschlagenden Römischen
Gesetze richtig; so können die Beziehungen auf sie in der
angegebenen Weise nicht für begründet erachtet werden,
sondern wir müßten, wenn eine Beziehung Statt finden
soll, annehmen, daß schon die Verfasser der P.G.O. die
Römischen Bestimmungen so verstanden, wie wir sie auS-
gelegt haben. Zu dieser Annahme sind wir unsso mehr
berechtigt, ja verpflichtet, als, bei dem Mangel der aus-
drücklichen Beziehung auf die Römischen Gesetze, wir allein
auf die Deutschen Ausdrücke verwiesen sind. Hienach kön-
nen wir aber das Requisit der empfangenen Gliedmaaßen un-
möglich anders, als von der äußern Beschaffenheit des
KindeS verstehen, und ein Kind, 'welches Gliedmaaßen
empfangen hat, ist daher ein solches, welches t>ie) um als
Mensch zu gelten, nothwendigen Gliedmaaßen empfan-
gen hat, oder, wie es in L. 14. D. de statu bum. aus»
gedrückt wird, qui membrorum bumanorum okücia
6) Ebenso in 5. 2. ein lebendig glied mäßiges Kinblcin.

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