Full text: Themis <Göttingen> (Bd. 2 (1830))

des Dolus civilis V0M Dolus criminalis. 285
2r) Es untersä-eidet ferner Folgendes den Civildolus
vom Criminaldolus: Der erstere kann in der Regel nie
vermuthet, sondern muß vielmehr stets erwiesen wer-
den, ausgenommen nur da, wo das Gesetz ihn ausdrücklich
präsumirt wisten will (Fraesumtio juri-.), welches, wie
Thlbaut (Pand. §. 148. am Ende) aus den einzelnen
Gesetzstellen abstrahirt, bei jeder äußerlich^ unerlaubten That
der.Fall ist (S. auch Mühlenbruch, Vol. I. §. 106. u.
Not. 5.). Der letztere hingegen oder der criminelle Dolus,
wenn auch nicht mit Wahrheit auf ihn der von Feuerbach
bis zur 8. Auflage seines Lehrbuchs, §. 60 allgemein hin-
gestellte Grundsatz: „Facta laesione praesumitur dolus,
donec probetur contrarium” angewendet werden kann
(st Dessen Lehrb. Aufl. 9. u. 10. und A. Bauer, Lehrb.
§.52. Not.b.), hängt doch so genau mit mehreren Arten
des Verbrechens zusammen, daß er ein Essentiale, ein
durchgängig nothwendiges Attribut derselben ausmacht, und
daß er daher bei diesen jedenfalls aus dem bloßen Daseyn
der faktischen Momente präsumirt werden muß. Dahin
gehören die Injurie, der Diebstahl, die Fälschung, die Ver-
untreuung, der Hochverrats», der AssassinenMord, das Duell
" (Man st A. Baue r, Lehrb. §. 202. Not. d. §. 230.'
Not. d. §. 254. 36o. 320. i55. i56. 335. besonders auch
$. 53. Not b.).
Der Grund dieses Unterschiedes beider Arten des Do-
lus liegt wohl offenbar darin, daß der civile Dolus das
rein facti sch e Element des BetrügenS und BevortheilenS
des Andern zugleich in sich enthalt, alles Factische aber des
Beweises bedarf (Facta sunt probanda), dahingegen der
criminelle Dolus die reine Gesinnung ist, welche imit
dem Vorhandenseyn gewisser Thatsachen zugleich, als ihr
Innerliches, vorhanden seyn muß. Z. B. es schimpft A
Themi». Tb. U. Hsr 2. 7

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